Die vermaledeite Erblast des Marcus Held

„Was man ernst meint, das sagt man am besten im Spaß.“ So also sprach der großartige Wilhelm Busch, und diese Erkenntnis des humoristischen Dichters leitete jetzt wohl auch Frieder Zimmermann: Der Oppenheimer Schriftsteller schrieb in leichter Versform nieder, was ihn aktuell umtreibt und bewegt. “Von Hengsten und Hasen” dichtete er. Das klingt vielleicht spaßig. Ernst ist’s ihm allemal.

Es geht um Rudolf “Rudi” Baumgarten. Für alle, die in der jüngsten Leidensgeschichte der Stadt Oppenheim nicht so bewandert sind, wollen wir kurz erklären:

Baumgarten zählt seit Jahren zu den getreuesten Paladinen des skandalumtosten Ex-Stadtbürgermeisters Marcus Held. Vor allem war der Mann viele Jahre lang einer der ganz großen Profiteure des Systems Held.

Baumgarten ist SPD-Bürgermeister im benachbarten Dörfchen Uelversheim. Gleichwohl durfte er dank Marcus Held im Oppenheimer Rathaus ein privates Büro beziehen (zu Vorzugskonditionen, wie der Landesrechnungshof später kritisierte). Er trat in der Stadt als eine Art freischaffender Stadtplaner auf, gesponsert von seinem SPD-Parteifreund Held mit regelmäßigen Aufträgen. Lukrativ war’s bestimmt: So durfte Baumgarten das Baugebiet Krämereck Süd entwickeln – und anschließend die städtischen Grundstücke auch noch vermakeln (hier erstmals beschrieben).

Baumgarten war natürlich dabei, als Marcus Held die Gründung einer mehrheitlich privaten “Oppenheim Tourismus GmbH” initiierte. Die Gesellschafter behielten jahrelang alle Eintrittsgelder aus dem städtischen Kellerlabyrinth ein, ohne eine Vertragsgrundlage mit der Stadt ausgehandelt zu haben. Auf der Webseite www.der-oppenheim-skandal.de wurde es aufgedeckt: „Privatfirma beutet städtische Geldquelle aus“.

Baumgarten stand ebenfalls in erster Reihe, als auf Betreiben von Marcus Held ein Verein namens „Oppenheim bewegt“ gegründet wurde. Es muss als sehr merkwürdig, ja nahezu anrüchig angesehen werden, dass der Uelversheimer Bürgermeister im Förderverein eines Nachbarorts aktiv mitmischt. Was treibt ihn nur? Zumal bis heute im Dunkeln liegt, was der Verein eigentlich bezweckt. Im Oppenheimer Skandal-Blog war nachzulesen: „Oppenheim bewegt – vor allem viel Geld“. Nachweislich kassierte der Verein jede Menge Steuergelder: Wofür eigentlich?

Und nicht zuletzt mischt Baumgarten auch bei der Oppenheimer Wohnungsbaugenossenschaft GWG mit: Marcus Held, der das Unternehmen jahrelang als Vorstandsvorsitzender führte, platzierte seinen Parteifreund in den Aufsichtsrat, ausgerechnet. Im Oppenheim-Skandal-Blog wurde diese merkwürdige Konstellation ausführlich thematisiert:

„Wie Rudi Baumgarten eine sachgerechte Aufsicht bei der GWG führen will, ist sein Geheimnis und eines der großen Rätsel in Oppenheim: Baumgarten ist nämlich abhängig wie kaum ein zweiter vom Wohlwollen des Stadtbürgermeisters. Marcus Held verschafft ihm Aufträge als Stadtplaner („plangUT“) Marcus Held engagiert ihn für lukrative Maklergeschäfte… Baumgarten, so kann man sicher ohne jede Übertreibung sagen, lebt sehr gut von der Zuwendung des Stadtbürgermeisters. Wie soll dieser Mann als GWG-Aufsichtsrat einen GWG-Vorstand Marcus Held unabhängig und unbefangen kontrollieren?“

Heute steht unstrittig fest, dass der GWG_Aufsichtsrat in den letzten Jahren auf ganzer Strecke versagt hat. Oder hat er vielleicht sogar bewusst weggeschaut? Die Folgen sind bekannt: Die GWG-Tochtergesellschaft HGO (Geschäftsführer damals: Marcus Held) ist bereits pleite, die GWG selbst (Vorstandsvorsitzender damals: Marcus Held) schlingert noch immer schwer angeschlagen. Die Aufräumarbeiten laufen seit Monaten, die Führungsgremien konnten inzwischen neu besetzt werden. Nur Held-Freund Baumgarten, der blieb. Letztens war GWG-Mitgliederversammlung, da sollte er aus dem Aufsichtsrat gewählt werden. Doch „nur“ 70 Prozent der anwesenden Stimmberechtigten stimmten dafür, fünf Prozent fehlten…

Baumgarten macht weiter, als sei nichts geschehen. Der Mann, den Held vor zwei Jahren breitbrüstig als „der rote Hengst von Uelversheim“ pries, gilt den meisten Oppenheimern längst als vermaledeite Erblast des geschassten Stadtbürgermeisters. Gleichwohl wird er dem rheinhessischen Städtchen wohl noch eine Weile erhalten bleiben.

Genau das inspirierte Frieder Zimmermann jetzt zu seinem Spottgedicht. Wobei er klarstellt, das wollen wir nicht unterschlagen: Eine Nähe zum großen Wilhelm Busch sei rein zufällig (“In dessen Fußstapfen kann und will ich nicht treten”), und auch mit dem “Oppenheimer Wilhelm Busch”, der die monatelange Aufklärungsarbeit des Oppenheim-Skandals im Internet mit herrlichen Reimen begleitet hatte und dessen Identität bis heute nicht bekannt geworden ist, habe er nichts gemein (“Ich möchte nicht den Verdacht erwecken, mich mit fremden Federn zu schmücken”).

Alles klar? Dann los – und viel Vergnügen!

 

 Von Hengsten und Hasen

von Frieder Zimmermann

 

Ach, was muss man oft von bösen

Dingen hören oder lesen.

Ereignet hier in Oppenheim,

Füllt’s dem Spötter Reim um Reim.

 

Wer dacht’, die Schlachten wär’n geschlagen.

Als Helden platt am Boden lagen

Und Held, bevor man ihn verknackte,

Endlich seinen Bettel packte.

 

Wer dacht’ der Spuk sei jetzt vorbei

Schlussendlich mit der Wahl im Mai,

Der erfährt jetzt Knall auf Fall:

Das Böse ist immer und überall.

 

Justitia, blind und konsequent,

Die Dinge jetzt beim Namen nennt:

Korruption und Vorteilsnahmen

Sprengen leichthin jeden Rahmen,

Den das Recht klar festgesetzt.

Verschwendung auch und nicht zuletzt

Vetternwirtschaft und Betrug.

Das kommt alles Zug um Zug

Als Klageschrift jetzt vor Gericht.

Jedoch als Schlusskapitel der Geschicht’?

 

Wenn dann Betrug und Selbstbedienung,

Bestechung, Steuerhinterziehung

Endlich mit dem Urteil endet,

Hat sich dann Bös zu Gut gewendet?

Ach, kann das Leben grausam sein;

Denn die Antwort lautet: Nein.

 

Zwar ist der Held tatsächlich weg,

Doch lebt er weiter wie im Speck

Die Made, fett und krankgemeldet.

Unabsehbar, wann das endet.

Er saugt gierig aus dem Tropf,

Der speist sich aus dem Steuertopf,

Und wenn das nächste Jahr zu Ende,

Geht abschlagsfrei er in die Rente.

Zwar ist er dann noch jung an Jahren,

Doch schlauer als wir alle waren,

Steh’n seine Schäfchen alle trocken,

Er braucht nicht mehr mit Maklern zocken,

Und fühlt sich auch kein bisschen schlecht –

Ist alles doch sozial gerecht.

 

Was ist mit Marcus’ Kombattanten,

Die immer hinterher ihm rannten,

Die in seinem Glanz sich sonnten,

Vor Kraft oft kaum mehr laufen konnten,

Die kein bisschen sich genierten,

Von seinen Deals gern profitierten?

 

Marco M., den keiner kannte,

Den man nur „Marcus’ Schatten“ nannte.

Helmut K, der schmerzbefreite,

Stand stets auf der Verliererseite.

Und Marc S., so forsch und schneidig,

Schied schließlich schmollend und beleidigt.

Unbelehrbar Steffi K.,

Die wo das mit dem Stellplatz war.

Nur Klaus W., der ach so treue,

Ward eingeholt von tiefer Reue.

Manch’ verschwanden still und leise

Auf diese oder jene Weise.

Heut’ sieht man, wie das System Held

Ganz in sich zusammen fällt.

 

Ganz zusammen? Ein Moment!

Einer steht noch, den man kennt,

Der bis heute Seit’ an Seit’

Durch dick und dünn mit Marcus reit’.

Der Volkstribun aus Uelversheim

Blieb übrig von dem Team allein.

Wer er ist – Ihr wisst es längst:

Rudi, unser roter Hengst.

 

Ein stets fröhlicher Geselle,

Bekannt als Mann für alle Fälle.

Als guter Planer er firmiert

Und dabei gänzlich ungeniert

Bei Aufträgen und Grundgeschäften

Skrupellos aus Leibeskräften

Auf seinen Vorteil stets bedacht

Und Rechtschaffende gern verlacht.

 

Ob HGO, ob GWG,

Jeder Deal fand sein Okay,

Dank der Paten je von diesen,

Welche Marc und Marcus hießen.

Ob Provision, ob Honorar,

Rudi war für alles da.

Als Aufsichtsrat war er bestellt,

Damit er nur den Schnabel hält,

Um auch Verträge, die sehr stinken,

Abzunicken, durchzuwinken.

Und als am End’ die Blase platzte,

Da nahm er seine Unschuldsmaske.

 

Nein, nicht Täter sei er, sondern Opfer.

Von Marcus, diesem Sprücheklopfer,

Bös getäuscht mit falschen Zahlen

Litt er selber Höllenqualen.

Lug und Trug und Nebelkerzen

Gingen schmerzhaft ihm zu Herzen.

 

Seitdem heißt der Rudi „Hase“,

Hat aber eine lange Nase.

Ein Viertel der MV war froh drum;

Drum reicht’s am Ende knapp für’s Quorum.

Jetzt ist er weiter Aufsichtsrat,

wenngleich mit fraglichem Mandat,

Und kann in Immobilienfragen,

Bei Haus und Grund in besten Lagen,

Bei Geld, verdient oder geliehen,

Marcus Held zu Rate ziehen.

 

Und die Moral von der Geschicht’:

Trau besser roten Hengsten nicht!

2 Gedanken zu „Die vermaledeite Erblast des Marcus Held

  1. Zaungast Antworten

    Fällt der Name Marcus Held MdB muss ich immer auch an den ehemaligen Limburger Bischof (2008-2014) Franz-Peter Tebartz-van Elst denken. In den Persönlichkeitsstrukturen der beiden Herren scheinen viele Parallelen vorhanden zu sein. “Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist.“ so der ehemalige Chef der hessischen Staatskanzlei +Jochen Riebel (CDU) gegenüber den Medien.

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