HGO ist pleite – Stadt Oppenheim muss bluten

Das ist ja mal eine interessante Version: Ein paar Wohnungskäufer im Baugebiet Krämereck-Süd, die ihren Kaufpreis nicht umgehend gezahlt haben, sollen für die drohende Insolvenz der HGO verantwortlich sein. Das jedenfalls schreibt die Lokalzeitung im Internet. Wir halten uns hier lieber an die Fakten: Die private Haus- und Grundstücksverwaltungsgesellschaft Oppenheim (HGO) steht vor der Pleite. Schon zu Ende dieses Monats soll die Zahlungsunfähigkeit drohen. Der erst vor kurzem eingestellte Geschäftsführer Reiner Wenz hat die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Mainz beantragt.

„Danke Marcus Held“, formulierte eine Frau sarkastisch in der Facebook-Gruppe “mein Oppenheim“, als die Schock-Nachricht bekannt wurde. Ein User schrieb, es klingt resignierend: „Der große ,finale’ Knall war doch leider absehbar.“

Die HGO steht vor dem Aus. Als Grund für die drohende Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens wurde gestern in der Öffentlichkeit verbreitet: Einige Käufer von Wohnungen in Krämereck-Süd hätten die Kaufpreise nicht überwiesen, andere würden Gelder „trotz weitgehender Fertigstellung der Häuser“ zurückbehalten.

Die Lokalzeitung „AZ Landskrone“ verbreitete diese Darstellung im Internet unter Berufung auf die HGO. Mit Verlaub: Das dürfte, auch wenn’s in der Lokalzeitung steht, großer Unsinn sein! Mag sein, dass die HGO-Verantwortlichen das wirklich so gesagt haben. Dann aber wollten sie nur ablenken von den eigentlichen Problemen, mit denen das Unternehmen in diese Situation hineinmanövriert wurde:

Die HGO, eine Tochtergesellschaft der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft GWG, hatte Anfang 2017 auf Betreiben ihres damaligen Geschäftsführers Marcus Held einen sehr teuren Vertrag unterschrieben: Sie wollte von der Stadt Oppenheim – deren Stadtbürgermeister Held war – das Gradinger-Grundstück am Kautzbrunnenweg erwerben. Vorher sollte die Stadt das alte Möbelhaus dort abreißen.

Der Vertrag war eine der letzten Amtshandlungen Helds: Als Kaufpreis wurde vereinbart, dass die HGO bei Übergabe des baureifen Grundstücks sämtliche Kosten übernimmt, die bei der Stadt für Ankauf und Abriss angefallen waren.

Das Möbelhaus ist verschwunden, die Baureife des Grundstücks ist seit längerer Zeit gegeben. Doch die HGO-Verantwortlichen verweigerten die Übernahme und auch jede Zahlung. Das erhärtete den Verdacht, der seit längerer Zeit kursiert: dass das Unternehmen gar nicht mehr in der Lage sei, den Kaufpreis zu stemmen.

In dieser Woche wollte Stadtbürgermeister Walter Jertz Klarheit schaffen und dem Treiben ein Ende bereiten: Er wollte die Rechnung rausschicken. Die HGO kam ihm mit dem Insolvenzantrag zuvor.

Helds Gradinger-Phantopia – eine einzige Lüge

Es ist das vermaledeite Erbe des SPD-Bundestagsabgeordneten Marcus Held in Oppenheim: Als Stadtbürgermeister hatte er, gestützt und abgesichert von ihm hörig ergebenen Genossen, die ganze Kommune unter seine Kontrolle gebracht. Er herrschte natürlich auch als Vorstand und Geschäftsführer über die GWG und HGO, und er gebärdete sich dort, als seien auch die Firmen seine privaten Pfründe.

In der Öffentlichkeit verbreitete er erstmals 2015, er werde für die Stadt das Gradinger-Grundstück kaufen und es dann, nach dem Abriss des Möbelhauses, an „seine“ HGO weiterverkaufen. An der Stadt werde kein Cent hängen bleiben, lautete sein Mantra, alle Kosten werde die HGO übernehmen. Über die Zeitung ließ er verbreiten, „seine“ Wohnungsbaugesellschaft müsse dank Landeszuschüssen nur 140.000 Euro aufbringen: Er werde deshalb auf dem Gradinger-Grundstück, so Helds Phantopia, jede Menge Wohnungen zu sozial verträglichen Mietpreisen errichten.

Heute wissen wir: Es war eine einzige Lüge. Auf der Internetseite zum Oppenheim-Skandal wurde das mehrmals thematisiert; am 2. September, also vor einem Jahr, war am Ende einer ausführlichen Dokumentation zu lesen:

Und so kommen wir bei unserer Spurensuche der Wahrheit näher, Schritt für Schritt, was in Oppenheim wirklich nicht einfach ist:

Wohnungen zu sozial verträglichen Preisen werden auf dem Gradinger-Grundstück vermutlich nicht entstehen. Allenfalls in ganz kleiner Zahl. Das viele Reden des SPD-Bundestagsabgeordneten und Stadtbürgermeisters Marcus Held vom sozialen Wohnungsbau, den er für wichtig und drängend halte, entpuppt sich als bloße Polit-Parole.

Immobilienexperten haben das vorhergesehen: Die Wahrheit zum Gradinger-Deal, so lautet ihre Prognose, werde sehr bitter und vermutlich äußerst schmerzhaft sein.

Eines Tages wird die Wahrheit auf den Tisch kommen, ganz bestimmt.

Heute heißt es, das großspurige Projekt würde sich selbst dann nicht rechnen, wenn man alle geplanten Wohnungen eines Tages teuer würde verkaufen können. Denn die Kosten für Grundstückskauf und Abriss des Möbelhauses sind inzwischen auf 1,8 Millionen Euro explodiert – mindestens.

Neue teure Experten und viel Geheimniskrämerei

Die Stadt ist in Vorleistung getreten, die HGO müsste übernehmen. Doch der gewaltige Brocken ist, Fachleute haben das kommen sehen, viel zu groß für das kleine Unternehmen. Im Blog „Rheinhessen-Storys“ wurde bereits vor zwei Wochen aufgedeckt, dass Banken deshalb (wohlgemerkt; deshalb – nicht wegen zurückbehaltener Kaufpreise im Krämereck-Süd) aufgeschreckt sind und in größter Sorge Kredite in sechsstelliger Höhe für diesen Monat fällig gestellt haben sollen. Auch wurde berichtet, dass die GWG/HGO Insolvenz-Spezialisten aus Frankfurt und Hofheim am Taunus engagiert habe.

Sonderlich erfolgreich, so heißt es jetzt, können die Experten nicht gewesen sein. Jedenfalls fanden sie keinen Investor, der das Gradinger-Grundstück für knapp zwei Millionen übernehmen wollte. Ein teurer Erkenntnisgewinn: Die Sanierungsberater sollen deutlich mehr als 100 Beratungsstunden in Rechnung gestellt haben.

In der Folge wurde, vor wenigen Tagen, Reiner Wenz als Geschäftsführer angeheuert. Der Mann genießt als knallharter Sanierer und Firmen-Abwickler einen Ruf wie Donnerhall. Als erste Amtshandlung ließ er alle Mitarbeiter von HGO und GWG eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen. Schon Held hatte keinen Außenstehenden in seine Geschäfte für und mit der GWG/HGO reinblicken lassen. Die professionalisierte Geheimniskrämerei von Wenz – eigentlich überflüssig, denn zur Verschwiegenheit sind die Mitarbeiter schon von Gesetzes wegen verpflichtet – wird ihre Gründe haben…

Investor-Suche bleibt vermutlich an der Stadt hängen

Was bedeutet die Pleite nun konkret – für die GWG/HGO, für Oppenheim, für Mieter und Käufer von GWG/HGO-Wohnungen?

Das Amtsgericht Mainz wird in den nächsten Tagen einen Insolvenzverwalter bestimmen. Der wird unter anderem schauen, ob noch irgendwo Geld zu holen ist. Das könnte vielleicht ein kleiner Glücksfall für Oppenheim sein: Schadensersatzforderungen gegen Marcus Held würden dann vielleicht endlich konsequent verfolgt. Bei der bisherigen GWG/HGO-Führung aus alten Held-Getreuen vermutete man eher das Gegenteil.

Auf die Erfüllung des Gradinger-Vertrags wird der Insolvenzverwalter vermutlich in Ausübung seines Wahlrechts nach § 103 InsO verzichten. Das bedeutet: Die Stadt, und das ist der große Nachteil dieser Insolvenz, wird dann auf dem Grundstück und damit auf allen Kosten sitzen bleiben. Sie kann dann natürlich selbst einen Investor suchen, was aber schwierig werden dürfte, denn das hat die HGO schon nicht geschafft (was allerdings nicht weiter verwunderlich ist, nachdem Held als Stadtbürgermeister für große und größte Kosten gesorgt hat – Maklercourtage, merkwürdig beeinflusste Vergabe der Abrissarbeiten und schließlich Nachträge über Nachträge…).

Schon heißt es in Polit-Kreisen: Wenn ein Investor ein tragfähiges Konzept mitbringe, könne man sich durchaus vorstellen, eine Geschossfläche mehr zu genehmigen. Dafür aber müsste der Bebauungsplan geändert werden, das ist nicht unumstritten bei der engen Nachbarschaft in der Vorstadt, und es ist keinesfalls rechtlich gesichert, dass eine solche Bebauungsplanänderung überhaupt im Einklang mit dem Landesrecht bewerkstelligt werden könnte.

Ein Bild aus Abriss-Tagen. Jetzt muss die Stadt auch noch für die Sicherung der Baustelle aufkommen.

Auf alle Fälle wird die Stadt erst einmal weiter Geld für das verkorkste Gradinger-Projekt ausgeben müssen: Das Grundstück muss gesichert, Grundwasser muss weiterhin abgepumpt werden… Wenn am Mittwoch dieser Woche der Stadtrat tagt, soll das Thema auf den Tisch: Die Verwaltung will die bereits stehenden Bauzäune und Pumpen kaufen, hat angeblich einen vernünftigen Preis ausgehandelt.

Jene Oppenheimer, die in Krämereck-Süd Wohnungen der HGO gekauft haben, müssen natürlich bangen: Ist der Bauträger pleite, ist auch die Gewährleistung am Ende. Angeblich gibt es etliche schwerwiegende Baumängel, vor allem mit Fenstern soll es Probleme geben. Auf diesen Schäden blieben die Wohnungseigentümer im Insolvenzfall sitzen. Andererseits: Einige haben ja offenbar noch nicht den vollen Kaufpreis bezahlt. Angesichts offenkundiger Mängel wird sich HGO schwertun, das Geld von ihnen einfordern.

Insolvenz soll die GWG retten – wirklich wahr?

So sind, abgesehen vom Gradinger-Projekt und den Millionen-Kosten für die Stadt, die unmittelbaren Folgen einer HGO-Pleite für die Menschen in Oppenheim – zunächst einmal. Die Zeitung zitiert den städtischen Beigeordneten Helmut Krethe, der nach Helds Sturz im März dieses Jahres als dessen Vertrauter in den GWG-Vorstand aufgenommen wurde: Man sei in die Insolvenz gegangen, um Schaden von der Muttergesellschaft abzuwenden. „Wir wollen die GWG retten, keiner von uns will die Genossenschaft gefährden.”

Können wir das glauben? Durch die Stadt schleicht die Angst, dass sich der neue Geschäftsführer Wenz als nächstes die GWG vorknöpfen werde – zumal es dort Einstandsverpflichtungen (Bürgschaften) für die HGO zu geben scheint. Wenz sitzt bereits, neben den lokalen Held-Vertrauten Marco Meidinger und Helmut Krethe, im Vorstand der Genossenschaft.

Der Mann ist Sanierer. In einem Verdi-Blog heißt es über Wenz: „Während seiner Amtszeit fällt er weniger durch konstruktive Bemühungen zur Sanierung des Standorts auf, als vielmehr durch eigenmächtige Aktionen, deren Sinnhaftigkeit oft verborgen bleibt.“ Von „wenig filigranem Führungsstil“ ist die Rede, den der Mann schon mal “durch eine Kettensäge” ersetze. Und weiter: „Reiner Wenz lässt sich die Rolle des gedungenen Abwicklers vermutlich fürstlich entlohnen, bevor er weiterzieht, um der nächsten Firma als Interimsmanager ,beizustehen’. Die Belegschaft sollte dann in jedem Fall schon mal auf das Schlimmste gefasst sein.“

Was hat der Mann mit der GWG vor? Was droht den Hunderten Mietern, die in GWG-Wohnungen leben, oft für wirklich geringe Mieten?

Wenz hat sich zu seiner Arbeit und zu seinen Plänen noch nicht öffentlich zu Wort gemeldet – bis auf den heutigen Tag, als er die Zeitung schreiben ließ: „Eine Aufarbeitung der finanziellen Situation der HGO in den letzten Wochen hat ergeben, dass aufgrund von nicht gezahlten Kaufpreiszahlungen und Einbehaltung trotz weitgehender Fertigstellung der Häuser im Krämereck Süd keine weitere Handlungsfähigkeit der Gesellschaft gewährleistet ist und eine dadurch drohende Zahlungsunfähigkeit zu Ende September entstehen würde.“

So macht man Stimmung in der Bevölkerung! Einfach mal behaupten, ein paar Wohnungskäufer seien verantwortlich die die HGO-Pleite – die Zeitung verbreitet’s ganz bestimmt.

Das sind, wir kennen das,  Fake News made in Oppenheim: Nicht Marcus Held, auch nicht die Getreuen des geschassten SPD-Stadtbürgermeisters an der Spitze des Unternehmens sollen für den Niedergang der HGO verantwortlich sein.

Nein, in Oppenheim schiebt man die Pleite den Wohnungskäufer in die Schuhe…

 

Auf Facebook: 'mein Oppenheim' diskutiert über die HGO-Pleite

Auf der Facebook-Seite „mein Oppenheim“ darüber diskutiert: Kann das Zahlungsverhalten von Wohnungskäufern in Krämereck-Süd wirklich ursächlich für die Pleite der HGO sein? Wir zitieren aus drei Beiträgen:

Gert Frisch, der unlängst die Parkplätz-Verträge von Marcus Held auseinander genommen hatte, schreibt:

Soso, nicht gezahlte Kaufpreiszahlungen und Einbehaltungen sind also Auslöser der Zahlungsunfähigkeit. Könnte vielleicht auch die Unfähigkeit der Führungsriege Auslöser gewesen sein?

Die Geschäftsführung der HGO (wer war das doch gleich?) einschließlich des Aufsichtsrat(los) mussten auf den bekannten und zum Teil wohl auch berüchtigten Insolvenzler Wenz warten, der dann den Insolvenzantrag stellen musste. Es ist unglaublich mit welcher dreisten Unfähigkeit diese Leute ein Unternehmen an die Wand fahren, Bin mal gespannt welche Unternehmen und Handwerksbetriebe da vielleicht noch mit in den Abgrund gerissen werden. (…)

Sofern im Krämereck nach der Makler- und Bauträgerverordnung abgerechnet wurde, kann es sich bei nicht gezahlten Kaufpreisen lediglich um die Schlussrate handeln (i.d.R. fünf Prozent des Kaufpreises), die nach vollständiger Fertigstellung fällig wird. Da Bauträger üblicherweise rd. 15 Prozent Marge kalkulieren, schmälert eine etwaig nicht gezahlte Schlussrate zunächst einmal nur den Bauträgergewinn, führt aber normalerweise nicht zur Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft, sofern ansonsten vernünftig gewirtschaftet wird.

Dieses vernünftige Wirtschaften setzt das Vorhandensein kompetenter Führungspersönlichkeiten voraus. Das war leider bei der HGO nicht der Fall. Vielleicht sollte die Staatsanwaltschaft mal prüfen ob hier nicht künstlich eine Zahlungsunfähigkeit vorgeschoben wird, was schlussendlich auch zu Lasten der ausführenden Handwerksbetriebe geht, die auf Ihren offenen Rechnungen sitzen bleiben.

Ich frage mich ernsthaft, was Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsführer der GWG/HGO beruflich machen. Kaufleute sind sie jedenfalls nicht und ehrbare schon gar nicht.

Udo Eller stellt interessante Fragen:

Dieser Insolvenzantrag wundert mich nicht wirklich. Das Ergebnis war absehbar. Das “nicht gezahlte Kaufpreiszahlungen” und “Einbehaltung trotz weitgehender Fertigstellung der Häuser im Krämereck Süd” dafür verantwortlich sein sollen… das wundert mich dann schon. In beiden Fällen wird es gute Begründungen geben, warum das so ist. Teilweise sind diese ja auch schon bekannt. In den nächsten Tagen & Wochen wird das mit Sicherheit noch thematisiert.

Es gibt eine andere Frage, die bisher noch nicht beleuchtet wurde: WO SIND DIE HGO-GEWINNE HINGEFLOSSEN?

Wenn ich mich nicht verzählt habe, hat die HGO vor den Baumaßnahmen im Krämereck-Süd sechs Wohnobjekte gebaut (1x Jakob-Steffen-Plaz, 3x In den Weingärten und 2x An der Schneiderei) und verkauft. Das wird doch nicht für lau abgewickelt worden sein! Beim Gradinger-Gelände sind für die HGO noch keine Kosten angefallen (zumindest nicht in dem Ausmaß) und beim Krämereck-Süd müssten zumindest die Kosten wieder drin sein. Die Außenstände können doch nicht so hoch sein, das die GmbH in Insolvenz geht.

Also, nochmal die Frage: WO SIND DIE GEWINNE?

Michael Steinau schreibt:

Wie erbärmlich: das Grundstück eines Ehrenbürgers wird mit Maklerhilfe eines anderen Ehrenbürgers nicht an die HGO verkauft, sondern an die Stadt – wahrscheinlich wg. Landesfinanzmittelhilfe für den Abriss. Die HGO kann es trotz aller Umplanungen nicht stemmen und scheint wohl kein Geld zu bekommen… und die Stadt hockt jetzt auf dem Traumgrundstück.

11 Gedanken zu „HGO ist pleite – Stadt Oppenheim muss bluten

  1. Markus Haase Antworten

    Da kann man nur jedem (einsichtigen, aufgewachten) Mitglied der GWG empfehlen Strafanzeigen gegen jede einzelne Person (aktuelle und vergangene) Geschäftsführer, Vorstand und Aufsichtsrat Mitglieder zu stellen.
    “Verdacht” auf untreue, Verletzung der Informationspflicht, geschäftsschädigendes Verhalten, Unterlassung der Aufsichtspflicht usw.

  2. Gert Frisch Antworten

    Auch mich treibt mehr und mehr die Frage um, wo denn die Staatsanwaltschaft Mainz da so rumermittelt. Der Landesrechnungshof war da doch sehr zügig unterwegs. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass da vielleicht mit zweierlei Maß gemessen wird und wie sieht es mit der Verjährung aus, ist die denn gehemmt. Hat Herr Held denn schriftlich den Verzicht auf die Einrede der Erklärung erklärt? Wo sind die alten Akten geblieben, das Rathaus scheint leer zu sein, alles weg. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Oppenheimer Bürger private Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft gestellt haben und bis heute nicht einmal eine Eingangsbestätigung geschweige denn eine Sachstandsmitteilung erhalten haben. Mutieren wir so langsam zur Bananenrepublik.
    Denk ich an Oppenheim in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Allergrößten Respekt vor Walter Jertz und seinem Team im Rathaus, die bemüht sind weiteren Schaden von der Stadt fernzuhalten.

    • Markus Mahlerwein Antworten

      Die geschilderten Verhaltensweisen der Staatsanwaltschaft Mainz sind dort durchaus gängige Praxis. Mit Nichtwissen ist zu bestreiten, dass dort lediglich mit zweierlei Maß gemessen wird. Meiner Erfahrung nach sind Verfolgungsinteresse und Verfolgungseifer um so grösser, je unliebsamer der Verfolgte und je geringfügiger das verfolgte, angebliche Delikt ist. Die breite Öffentlichkeit wäre fassungslos, welcher Aufwand an Zeit, Personal und Fachkompetenz dort für Marginalien verschwendet wird, während all das bei der Verfolgung von – durch den LRH bereits quasi überführten – Intensivtätern wie dem (Maul)Helden offensichtlich fehlt. Und vorliegend hat ja nun wirklich der LRH schon mal die Hauptarbeit gemacht. Mein Tipp an die Staatsanwaltschaft: Nicht mehr abbeissen, als man schlucken kann. Macht aus den weit über 20 Ermittlungsverfahren Portionen, mit denen ihr umgehen könnt und zerrt den (Maul)Helden halt mehrmals vor Gericht bis alles abgearbeitet ist. Alles Andere spricht nämlich gerade nicht für Kompetenz, Prozessökonomie etc., sondern nur für Vertuschung und fortgesetzte, geradezu gewerbsmäßige Strafvereitelung im Amt zu Gunsten eines Parteigenossen und Spezels.
      Und apropos “Bananenrepublik”: Wir sind bereits mitten drin, nicht nur dabei.

  3. Klaus Merkel Antworten

    Die Wohnungseigentümer am Krämereck sind eher die Geschädigten. Sie können nur hoffen, dass die Bauschäden mit den zurück behaltenen Geldern saniert werden können. Inwieweit eine Insolvenzverschleppung vorliegt und die bisherigen Geschäftsführer haften muss auch dringend geklärt werden.

    • Gert Frisch Antworten

      Ich hoffe, da sind Bankbürgschaften hinterlegt, damit fertiggestellt werden kann. Mir sind Objekte bekannt, da belaufen sich die Mängelbeseitigungskosten alleine am gemeinschaftlichen Eigentum auf hohe sechsstellige Beträge, das wird von der Schlussrate bei Weitem nicht abgedeckt.
      Das Thema Insolvenzverschleppung ist auch so eine Sache.Die Geschäftsführer, die schon vor Monaten wußten, dass bei der Abwicklung des Gradinger Deals eine hoher Millionenbetrag auf die HGO zukommt, in Kenntnis dieses Umstandes und der damals schon abzusehenden Unfähigkeit diesen Betrag zu zahlen, hätten diese absehbare Zahlungsunfähigkeit vor erkennen und ohne schuldhaftes Zögern handeln müssen. Ob danach eingegangene Rechtsgeschäfte noch wirksam hätten eingegangen werden dürfen, bleibt die Frage. Der Insolvenzverwalter hat sicherlich zu prüfen, zu welchem Zeitpunkt ggf. von Banken gegebene Finanzierungszusagen aufgekündigt wurden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte m.E. eine eingehende Prüfung, ob eine Insolvenzantrag zu stellen sei, durchgeführt werden müssen. Aber wer die Personalien in der HGO und den Aufsichtsrat der GWG kennt, dem muss bezüglich des unternehmerischen Weitblicks und der kaufmännischen Sorgfalt Zweifel kommen.

  4. Judith Janz Antworten

    @ Herr Frisch

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Viel treffender kann man es nicht auf den Punkt bringen.

  5. Markus Mahlerwein Antworten

    Die Garantieerklärungen des (Maul)Helden entsprachen stets seinem eigenen Wesen, Charakter und seinen besonderen Fähigkeiten: inhaltlich vollständig ohne einen Wert und zumeist nur in seinen Sack bzw. zur Vertuschung seiner Machenschaften.
    Das gleiche gilt für seine Jünger: Krethe, Meidinger, (Un)Sittich… .
    GF bei der HGO war ja auch nur ein durchlaufender Posten. Und wir werden sehen, ob der Herr Wenz tatsächlich so ein harter Hund ist und nun doch gegen den Ex-GF (Maul)Held vorgeht.
    Oder vielleicht sogar der Insolvenzverwalter, wobei man bei dessen Auswahl darauf achten sollte, dass es zur Abwechslung mal keiner aus dem Dunstkreis des (Maul)Helden ist, weil die allesamt nicht nur ein Geschmäckle haben, sondern meilenweit gegen den Wind stinken.
    Ich möchte an dieser Stelle nicht versäumen, eine breite Medienkampagne gegen den (Maul)Helden anzuregen, damit der nicht völlig ungeschoren davon kommt. Die Ermittlungsbehörden jedenfalls zeichnen sich weder durch besonderen Diensteifer noch irgendwelche Verfahrensfortschritte aus. Ob und inwieweit dies daran liegen mag, dass Dreyer, Lewentz, die LOStA Keller und wohl noch viele mehr auch SPDler sind und angesichts der Wahlen nächstes Jahr keinerlei Interesse an einer Aufarbeitung (auch der Parteispendenproblematik) haben, mag jeder für sich selbst entscheiden.
    Machen wir als Bürger doch mal richtig Druck. Wir können die Vorgenannten mit Briefen, Faxen, Mails eindecken und immer und immer wieder fragen, weshalb sie in der Sache völlig untätig bleiben. Strafanzeigen wegen Strafvereitelung im Amt erstatten. Wir können Politiker im Landtag wie im Bundestag über die Fakten informieren und sehen, ob die “auf die Fresse”-Sprüche auch nur Sprüche sind. Zur Not können wir auch medienwirksam demonstrieren – das hat ja schon mal und gut funktioniert.
    Ansonsten, fürchte ich, werden alle Beteiligten und Verantwortlichen uns Bürger auch weiterhin täglich mit irgendwelchem geistigen Dünnpfiff vollzulabern versuchen, um uns dummes Stimmvieh auch schön weiter recht dumm zu halten. Und sei es nur, damit man an sie nicht kommt.

    • Günther Schäfer Antworten

      Herr Mahlerwein, absolut richtig. Die schleppende Bearbeitung bei der Justiz lässt gewisse Gedankengänge zu, und zwar genau diejenigen, welche Sie nennen. Nächstes Jahr ist Kommunalwahl – da wollen die betroffenen Politiker bis dahin den Deckel drauf lassen.
      Mein Vorschlag: wir schließen uns zusammen und werden einige Anfragen schriftlich stellen. Jeder sollte mitmachen.

  6. Markus Haase Antworten

    “An der Stadt wird kein Cent hängen bleiben, andernfalls zahle ich das aus meiner Tasche”
    So ähnlich war damals die Äußerung unseres Bürgermeisters.
    Leider kann man Politiker nicht auf ihre Aussagen Festnageln.
    Naja Jeder der getreuen wird am Ende seinen finanziellen Schnitt gemacht haben. Bleibt zu hoffen das die Geschäftsführung, Vorstände und Aufsichtsräte zur Rechenschaft gezogen werden. Nun liegt es an den Mitgliedern der GWG zu handeln, jetzt müßten auch den letzten die Augen aufgehen.

    • Peter Bemmann Antworten

      Es wäre richtig und gut, wenn die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden, aber da fehlt mir der Glaube. Und selbst wenn, wird da nichts zu holen sein. Da haben die bestimmt schon vorgesorgt.

  7. Peter Bemmann Antworten

    Für mich ist das nicht überraschend. Die ganze Sache hat für mich einen faden Beigeschmack. Ich frage mich, ob dies vielleicht das Kalkül der führenden Personen in GWG und HGO war. Es macht auf alle Fälle sehr nachdenklich, wenn man sich die Geschehnisse der letzten Monate in Erinnerung ruft. Am Ende trifft es die Stadt, den Steuerzahler, die “kleinen Leute”, während sich wohlmöglich ein paar verantwortungslose Strippenzieher die Hände reiben und eins ins Fäustchen lachen.

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