Hochrisiko-Zockerei gestoppt: Senioren-Projekt geplatzt

Im Internet werden noch immer Wohnungen in einer „barrierefreien Seniorenimmobilie in Guntersblum“ zum Kauf angeboten. Dabei ist das Projekt tot: Nachdem wir auf dieser Webseite die “Hochrisiko-Zockerei” der CDU-Ortsbürgermeisterin aufgedeckt hatten, zogen Ratsmitglieder die Reißleine. Die Verhandlungen mit dem zweiten Investor wurden jetzt gestoppt. Ärger droht trotzdem.

Auf ihren privaten Internetseiten macht Guntersblums Rathaus-Chefin jede Menge großer Sprüche. Unter der Überschrift “Was Guntersblum braucht” verspricht sie seit Jahren die Realisierung eines Seniorenheims im Neubaugebiet „Algersweg West“: „Das federführend voranzutreiben sehe ich als eine meiner Hauptaufgaben.“

Bildschirmfotos von der Homepage von CBW. Das Seniorenheim sei “ein Herzstück” im Neubaugebiet, schreibt sie dort. Nun der Herzinfarkt…

Hört sich gut an. Weshalb Claudia Bläsius-Wirth denn auch Ende 2015 mit ihrem vollmundigen Versprechen in den Bürgermeister-Wahlkampf zog und prompt gewählt wurde.

Heute jedoch, keine drei Jahre später, erweisen sich die Worte der 56-jährigen CDU-Lokalpolitikerin als inhaltsleere Polit-Parolen:

Das Altenheim-Projekt ist, trotz jahrelanger intensiver und teurer Vorarbeit, nur noch Makulatur. Nachdem auf dieser Webseite der aktuell von Bläsius-Wirth bevorzugte Investor als undurchsichtig und unseriös enttarnt worden war, zogen Mitglieder des Gemeinderates die Reißleine und stoppten die Rathaus-Chefin. Der Lokalzeitung, die wie gewohnt im Vorfeld auf jegliche Recherche verzichtet hatte, beschränkte sich auch hier auf Vermeldung des Sachstands:  „Alles auf Anfang“, schrieb sie letzte Woche treffend.

Nur mit einem klaren Schnitt, so glauben die Guntersblumer Lokalpolitiker offensichtlich, lasse sich größeres Unheil noch vermeiden.

In der Tat ist bei diesem Projekt Einiges schief gelaufen, weshalb auf die Gemeinde noch ziemlich viel Ärger zuzukommen droht:

Der erste Investor, Rüdiger Conradi aus Wiesbaden, der nachweislich über eine große Erfahrung im Bau von Seniorenheimen verfügt, hatte jahrelang intensiv mit dem damaligen Ortsbürgermeister Reiner Schmitt an der Planung eines Pflegeheims gearbeitet. Schmitt starb im September 2015, Claudia Bläsius-Wirth bezog Anfang 2016 sein Rathausbüro. Anderthalb Jahre später beendete sie, aus schwer nachvollziehbaren Gründen, die Zusammenarbeit mit dem Investor. Conradi hat die Gemeinde inzwischen auf 100.000 Euro Schadensersatz verklagt, im Dezember findet der Prozess vorm Mainzer Landgericht statt.

Der neue Projektentwickler Andreas Piwowarski, von Claudia Bläsius-Wirth handverlesen ausgewählt, kommt aus Köngernheim. Mit den Firmen AIVG mbH und LVVG mbH (die ihm beide nicht gehören) und mit Hilfe von Tochter und Sohn (die beide noch recht unerfahren sind) wolle er das Millionen-Projekt stemmen: So erzählte der Mann allenthalben, und er fand in der Ortsbürgermeisterin eine gläubige Anhängerin.

Wir schauten etwas genauer hin – und deckten auf dieser Webseite auf: Piwowarski verfügt über keinerlei Erfahrungen als Bauträger von Häusern für ältere Menschen. Die zwei Firmen, mit denen er die mehr als 60 Senioren-Wohnungen in Guntersblum errichten wollte, gehören einer betagten Cousine aus Mainz. Der Mann ist weder als Gesellschafter eingetragen noch als Geschäftsführer angestellt: Er nennt sich Generalbevollmächtigter, seit Jahren schon, warum auch immer…

Der Vertrag über den Kauf des gemeindeeigenen Grundstücks in Guntersblum, so versicherte er auf Anfrage, werde im Herbst dieses Jahres unterzeichnet. Bezahlen wolle er die Gemeinde aber erst, wenn er einen Teil der Wohnungen verkauft habe – das sei so üblich. Er habe keinerlei Bedenken, dass seine Absprachen mit der Ortsbürgermeisterin noch platzen könnten: „Alles läuft wie geschmiert.“

Im Internet bietet Andreas Piwowarski noch immer die Wohnungen in Guntersblum zum Kauf an. 5000 Euro verlangt er für eine Reservierung.

Womit klar ist: Andreas Piwowarski ist bis heute nicht Eigentümer des Grundstücks, das er bebauen will. Gleichwohl bietet er die Senioren-Wohnungen bereits seit Wochen zu happigen Preisen zwischen 3600 und 3800 Euro pro Quadratmeter zum Kauf an. Wegen der großen Nachfrage, so verkündet er im Internet, müssen Interessenten vor einer Reservierung eine Anzahlung in Höhe von 5000 Euro leisten…

Von einer „Hochrisiko-Zockerei“ der Ortsbürgermeisterin schrieben wir: Der Immobiliendeal mit dem Möchte-gern-Investor könne für die Gemeinde äußerst gefährlich werden, ebenso natürlich auch für alle potentiellen Wohnungskäufer.

Die fundierten Informationen überzeugten offensichtlich: Nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ beschlossen Ratsmitglieder im Hauptausschuss einstimmig, dass die Ortsbürgermeisterin die Zusammenarbeit mit dem vermeintlichen Investor umgehend beenden soll. Der Gemeinderat muss den Vorschlag am 25. Oktober endgültig absegnen, was jedoch als reine Formsache gilt.

Damit ist auch der zweite Investor, der ebenfalls mit umfangreichen planerischen Arbeiten in Vorleistung getreten ist, raus aus dem Projekt. Und die Gemeinde Guntersblum steht damit wieder ganz am Anfang. Die Realisierung des Senioren-Projekts dürfte sich wohl noch länger als jemals gedacht hinziehen:

Claudia Bläsius-Wirth will jetzt erst einmal vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz ermitteln lassen, wie groß der Bedarf für altengerechtes Wohnen im Ort ist, berichtet die Zeitung aus dem Hauptausschuss. Eine solche Studie kostet einige tausend Euro, wobei der tiefere Sinn und Nutzen in diesem Fall im Unklaren bleibt. Der erste Investor wäre schließlich kaum in das Risiko gegangen und hätte Millionen für ein Pflegeheim ausgegeben, wenn er nicht vorab einen entsprechenden Bedarf ermittelt hätte. Auch hat Claudia Bläsius-Wirth die Pläne „ihres“ Investors bis zuletzt voranzutreiben versucht, indem sie überall verbreitete, die Liste der Interessenten für das Betreute Wohnen werde stets länger.

Was also soll angesichts dieser Faktenlage eine teure Untersuchung an Erkenntnisgewinn bringen? Wäre es nicht eher angeraten, schnellstmöglich einen neuen – seriösen! – Investor zu suchen und das seit Jahren versprochene Projekt endlich realisieren zu lassen? Immerhin bezeichnet Claudia Bläsius-Wirth auf ihrer Internetseite das geplante Seniorenheim als “ein Herzstück” des neuen Baugebiets Algersweg-West.

In diesem Sinne war der Beschluss des Hauptausschusses ein Herzinfarkt, aber das dürfte der CDU-Frau im Rathaus-Chefsessel mittlerweile egal zu sein: Im halben Jahr sind Bürgermeister-Neuwahlen. Da wolle sie, heißt es, erst gar nicht mehr antreten. Und wenn schon: Kein Wähler, so scheint ihr Kalkül zu sein, wird sich an ihre flotten Sprüche vor der letzten Wahl erinnern…

4 Gedanken zu „Hochrisiko-Zockerei gestoppt: Senioren-Projekt geplatzt

  1. Stebu Antworten

    Wunderbar, es blüht bald wieder eine Bauruine. Diesmal in Guntersblum. Der so weitsichtigen Politik sei Dank.

  2. Günther Schäfer Antworten

    Nachdem ich zusammen mit meinem Bekannten, welcher SPD-Mitglied ist, einen Leserbrief schrieb, darin die Ortsbürgermeisterin kritisierte und die Bedenken der Guntersblumer SPD teilte, wurde ich barsch von einem Guntersblumer Bürger in einem Einkaufszentrum angesprochen. Mir wurde erklärt, ich wäre der OB`in in den “Rücken gefallen”. Zu einem Gedankenaustausch kam es nicht; der Bürger ließ mich einfach stehen und ging weiter.
    So sieht heute Demokratie aus: Kritik wird nicht geduldet!!! Linientreue ist gefragt. Nun denn, heute wissen wir, dass das Objekt so nicht realisiert wird.

    • Brigitte B. Antworten

      Tja, so ist das leider hier in Guntersblum. Sobald man etwas gegen CBW sagt oder ihr nicht bedingungslos Folge leistet, muss man mit Anfeindungen und Konsequenzen rechnen. Bleibt zu hoffen, dass sich ein mutiger Guntersblumer findet, der im nächsten Jahr als Bürgermeister/in kandidieren wird und, falls nötig, gegen CBW antritt. Es sollte jemand sein, dem seine Gemeinde am Herzen liegt und nicht seine eigene Profilierung.

    • Markus Mahlerwein Antworten

      Das klingt nur allzu bekannt für einen Held-geschädigten Oppenheimer wie mich. Und hier ging der Terror der Held-Schergen noch ein gut Stück weiter.
      Ich stelle aber auch fest, daß man meinen könnte, die CBW wäre bei dem Oppenheimer (Maul)Helden in die Lehre gegangen.
      Ich möchte an dieser Stelle die Guntersblumer, die unter CBW und ihrer vielseitigen, wenn nicht gar umfassenden Inkompetenz leiden, aber auch daran erinnern, daß es in Oppenheim noch schlimmer war und wir es trotzdem fertiggebracht haben, dieses perverse System Held aufzubrechen.
      Das geht auch mit dem System CBW.
      Guntersblumer steht auf und wehrt Euch!!
      Es wir sich für Euch lohnen.

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