Landesregierung: Auf Rheinhessens Wiesen und Feldern soll Solarenergie erblühen

Der nächste ökologische Schwank betrifft Rheinhessen zunächst eher weniger. Es ist aber nicht völlig auszuschließen, dass der eine oder andere Acker im Hügelland zu einer weiteren Bühne für das absurde Theater wird, das von der Politik inszeniert wird, wenn es ums Klima geht.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung will mehr Grünflächen für Solaranlagen freigeben. Nein, nicht die Mittelstreifen der rheinhessischen Autobahnen 61 und 63, sondern 100 Hektar (ha) Grünland sollen pro Jahr mit Photovoltaikanlagen mit zusammen 50 Megawatt (MW) Leistung bebaut werden. Das entspricht 140 Fußballfeldern, also fast drei Fußballfelder für ein Megawatt. Dabei ist die benannte Leistung ein rein theoretischer Wert, der in der Praxis selten erreicht wird.

Die von der Landesregierung angedachten Flächen, “die bisher wenig Ertrag abwerfen”, sind Mittelgebirgs für Solarenergiestandorte, die nicht gerade für besonders viele Sonnenstunden im Jahr bekannt sind. Die 50 Megawatt sind aber tatsächlich 50 Megawatt-peak (peak=Spitze), also eine Leistung unter Standard-Testbedingungen mit optimalen Parametern bei Zellentemperatur, Bestrahlungsstärke und Sonnenlichtspektrum.

Vereinfacht ausgedrückt: 50 Megawatt werden nur erreicht, wenn die Sonne volle Granate auf die Kollektoren brettert. Wie oft wird das sein im Hunsrück oder in der Eifel?

Freuen werden sich die Flächeneigentümer, die mit ihren ertragsschwachen Wiesen jetzt Geld verdienen. Geringer wird die Freude bei den Landwirten sein, die höhere Pachtpreise zahlen müssen, wenn Grünland mehr abwerfen kann als nur Heu und damit an Wert gewinnt.

Wenn aber Landwirtschaft am Ende nur noch als Weinbau und als Energiewirtschaft rentabel zu betreiben ist, dann wird das Einfluss auf die Kulturlandschaft insgesamt haben. 36 Prozent der Fläche des Landes Rheinland-Pfalz (gleich rd. 720.000 Hektar) werden landwirtschaftlich genutzt, neben dem Wald mit 42 Prozent der zweitgrößte Anteil. Mehr als 600.000 Hektar sind Ackerflächen und Dauergrünland. Wenn hier der Wettbewerb zwischen Nahrungsmittelproduktion und Energieproduktion ausgetragen wird, dann werden es zuerst Weidewirtschaft und bald aber auch Ackerbau schwer haben.

Auch die größten Photovoltaik-Felder können Kraftwerke nicht ersetzen

Schon heute stehen, wenngleich noch vereinzelt, Photovoltaikanlagen auch in Rheinhessen auf besten Böden, obwohl wenn es dafür keine staatliche Förderung gibt. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts berechnet den Flächenbedarf für Photovoltaik-Anlagen ziemlich genau:

„Für die Energiewende, d.h. einen kompletten Umstieg auf eine CO2-neutrale und nachhaltige Energieversorgung, benötigen wir in Deutschland unter anderem ca. 200 GW installierte Photovoltaik-Leistung, das ist der fünffache Bestand des Jahres 2016. Dafür müssen bei Annahme eines mittleren Modulwirkungsgrades von 19 Prozent ca. 1000 Quadratkilometer Photovoltaik-Module montiert werden. Diese Modulfläche entspricht Stand heute ca. zwei Prozent der gesamten Siedlungs- und Verkehrsfläche oder acht Prozent der Wohngebäudefläche Deutschlands.“ 

Dabei räumt die Studie ein, dass Photovoltaik-Anlagen „zumindest in den nächsten Jahren“ nicht in der Lage sein werden, fossile und nukleare Kraftwerke zu ersetzen. Warum? Weil die Speicherkapazitäten fehlen. Weil produzierter Strom direkt in den Verbrauch fließen muss. Weil Strom konstant und unabhängig von Tageszeit und Witterungsverhältnissen verfügbar sein muss.

Trotzdem Solaranlagen auf 1000 Quadratkilometer? Ertragsschwache Grünlandflächen werden dafür nicht ausreichen.

Flächenverbrauch plus die Energie, Rohstoffe und Umweltbelastung für die Produktion (zu rund 80 Prozent in China, Taiwan und Malaysia), für den Transport, den Aufbau und die Wartung der Photovoltaikanlagen sowie deren Entsorgung nach ca. zwanzig Jahren Einsatz ergeben eine verheerend schlechte ökonomische und ökologische Bilanz und machen diese Technik zu einem teuren Flächenfresser, die lediglich dazu dient, das grüne Image zu verbessern.

Als Sparbuch auf dem Dach des Eigenheims mögen sie noch Sinn machen.

Der Versorgungssicherung und dem Klimaschutz dienen sie nicht.

Mit Aktionismus ist Energie-Zukunft nicht zu gewinnen

Mit dem, was sich heute als Alternativen zu den konventionellen Energien Öl, Gas, Kohle, Kernkraft anbietet, ist die Energiewende nicht zu leisten:

Die Kernkraft hat keine Zukunft. Das ist Fakt. Ob es eine Kerntechnologie der Zukunft geben kann, die zu 100 Prozent Sicherheit bieten kann, die gegen jedes denkbare Risiko bestehen kann und die ohne Wiederaufarbeitung und erst recht ohne jede Endlagerung atomaren Mülls auskommt, ist eine Frage für entsprechend qualifizierte Techniker.

Steinkohle und Braunkohle gelten als Klimakiller und sind angezählt. Die CO²-Emissionen beim Verbrennen und der Flächenverbrauch beim Braunkohleabbau treffen auf zunehmenden Widerstand, wie man zuletzt im Hambacher Forst erleben musste. Dieser Widerstand wird der Kohle früher oder später den Garaus machen. Das bedeutet, dass der Verbrauch von Öl und Gas und damit die Nachfrage früher oder später stark ansteigen wird. Dabei wissen wir, dass die Vorräte hier endlich sind.

Wer in dieser Feststellung zurecht noch keine Lösung der Energiefrage sieht, muss mehr anbieten als Windräder, Wasserkraftwerke und Photovoltaikanlagen.

Das Ausruhen auf der Illusion, auf diesen drei Komponenten könne die Energieversorgung der Zukunft aufgebaut werden, hat schon viel Zeit gekostet, in der nach Alternativen zu den Alternativen geforscht, Visionen konkretisiert, realisiert und entwickelt hätten werden können. In verschiedenen Technologiebereichen wurden in den letzten Jahrzehnten regelrechte Quantensprünge vollzogen, man schaue nur auf die Leistungsfähigkeit von Computern, den gesamte IT-Bereich mit seinen Geschwindigkeiten, Speicherkapazitäten und Leistungen der Informatik, auf die Revolutionen in der Fahrzeug-, Fertigungs- oder Haustechnik usw, usf.

Hier ist vieles nützliche und selbstverständliche Realität geworden, was man vor zwanzig Jahren noch für Sciencefiction gehalten hätte. Wann fangen die Erfinder, die Tüftler, die Ingenieure, die Entwickler im Bereich Gewinnung und sparsame, effiziente und umweltschonende Nutzung von Energie an, echte Innovationen zu erarbeiten?

Inzwischen ist es dafür höchste Zeit. Der Bedarf an Energie steigt weltweit unaufhaltsam an. Die ökologischen Belastungsgrenzen sind längst erreicht oder überschritten. Mit den Öl und Gasreserven werden wir uns noch eine Zeitlang über Wasser halten können. Für unsere Enkel und Urenkel braucht es heute Quantensprünge in der Energietechnik.

Mit Ablenkungsmanövern und Aktionismus – nichts anderes ist die Ausweitung von Flächen für Solarparks – ist die Zukunft im Energiesektor jedenfalls nicht zu gewinnen.

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