Marcus im Wunderland

Im Juli des Jahres 1865 veröffentlichte der britische Schriftsteller Lewis Carroll das Kinderbuch „Alice’s Adventures in Wonderland“, das bei uns als „Alice im Wunderland“ bekannt wurde. Die Geschichte erzählt die Erlebnisse eines kleinen Mädchens in einer fiktiven Welt voller Paradoxien und Absurditäten, in die sich die Titelfigur selbst hineinbegeben hat. „Alice im Wunderland“ erlangte weltweite Verbreitung und fand über die Literatur hinaus einen beispiellosen Niederschlag in Film und Theater, Oper und Tanz, Pop und Jazz, Malerei und Comic. Sogar in die Medizin ist der Titel eingegangen: Die psychische Erkrankung, bei der Patienten sich selbst oder ihre Umgebung verkleinert oder vergrößert wahrnehmen, wird als Alice-im-Wunderland-Syndrom bezeichnet.

Wunderländer, Traum- und Scheinländer, fiktive und virtuelle Welten gibt es zuhauf. Das Internet ist zum Schauplatz der Abenteuer von Märchenprinzessinnen und Supermännern, Eisköniginnen und Transformers, Vampirjägern und Hobbits geworden. Manchmal finden sich dort auch Protagonisten, deren Wirken in der realen Welt nicht oder nicht mehr gefragt ist: Im weltweiten Netz können sie ihre eigene Welt von Bedeutsamkeit erschaffen, die sich allerdings allen Wahrheiten entzieht.

Vortreffliches Beispiel ist das Wunderland, das wir im Internet unter www.heldmarcus.de finden. Mit nur einem Klick treten wir ein.

Screenshot der Webseite von Marcus Held, auf der er sich selbst glorifiziert.
Screenshot der Webseite von Marcus Held, auf der er sich selbst glorifiziert.

Realitäten, die den Glanz des Helden trüben könnten, werden ausgeblendet

Hier hat Marcus Held eine Welt erschaffen, die geprägt ist von Paradoxien und Absurditäten. Der Mann, der in der realen Welt vor drei Jahren noch als Stadtbürgermeister von Oppenheim, als Parteifunktionär der SPD und als Schwimmbad-Beauftragter der Verbandsgemeinde Rhein-Selz wirkte, verklärt und idealisiert heute sein Tun und Handeln in unerklärlicher Weise. Wir lesen auf seiner Webseite die Geschichte von einem selbstlosen, engagierten, beliebten und natürlich überaus erfolgreichen Volkstribun. Unter der Überschrift „Aktivitäten“ zeichnet er sich selbst als zentrale Figur in einem Heldenepos, das an große antike, germanische und mittelalterliche Vorbilder anknüpft. Seine fantastisch klingenden Lobgesänge auf sein vorgeblich stets am Gemeinwohl orientierten Wirken bezeichnet er, es soll wohl bescheiden klingen, als „Zwischenbericht“. Der staunende Leser soll sich also auf Fortsetzungen der Hymnen einstellen.

Marcus Held setzt beim Erzählen seiner eigenen Geschichten darauf, dass die Leser, die im Internet dauerhaft von medialen Scheinbarkeiten und Täuschungen überflutet werden, nicht mehr zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden können. Er blendet Realitäten, die den Glanz des Helden trüben könnten, kurzerhand aus:

Der vernichtende Bericht des Landesrechnungshofs, der seine Rechtsverstöße, Verschwendung, Begünstigungen und Eigenmächtigkeiten aufdeckte – sie kommen auf seiner Internetseite nicht vor.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die in einer Klage beim Landgericht mündeten und die Betrug, Untreue, Vorteilsnahme, Vorteilsgewährung und Verstoß gegen das Parteiengesetz als Tatbestände auflisten – er erwähnt sie in seiner Selbstdarstellung mit keinem Wort.

Seine fragwürdigen Immobiliengeschäfte unter Zuhilfenahme von Ratsbeschlüssen, die für eine außerordentliche Mehrung des eigenen Vermögens sorgten, die dem gierigen Kapitalisten die soziale Maske vom Gesicht rissen und den vorgeblichen Genossen als habsüchtigen Geldaristokraten entlarvtem – all das hat in Helds Internet-Erzählungen keinen Platz.

Marcus im Wunderland: Da sieht man keine Demonstranten, wie sie Anfang 2018 Montag für Montag auf dem Oppenheimer Marktplatz zusammen kamen und den Rücktritt des Stadtbürgermeisters forderten. Das Internet-Album des Marcus Held zeigt nur Fotos von fröhlichen, feiernden und jubelnden Anhängern und prominenten Genossen. Mehr als 200 Fotodokumente sollen  Omnipräsenz und nimmermüde Tatkraft dokumentieren. Die Bilder sind durchweg älteren Datums, aus nachvollziehbarem Grund: Marcus Held hat schon lange keine Anhänger mehr, die ihn feiern und und ihm zujubeln. Es gibt keine Promis mehr, die sich mit ihm ablichten lassen. Nirgendwo.

Helds neueste Hochstapelei

Screenshot vom Interview beim Mini-Fernsehsender tv.berlin.

Der Fernsehsender tv.berlin hat Marcus Held unlängst interviewt. Seither verbreitet der SPD-Mann auf seiner Webseite und auf Facebook, der Fragesteller Peter Brinkmann gelte „als prägende Persönlichkeit des deutschen Journalismus“. Auch schreibt Held, es sei ihm „eine besondere Ehre, von Dr. Peter Brinkmann zur aktuellen Lage der SPD und unseres Landes interviewt worden zu sein“. Auf diese Weise macht er sich selbst groß und wichtig. Dabei ist die Wahrheit eher schlicht: tv.berlin ist ein kleiner lokaler Fernsehsender in der Hauptstadt, der so wenige Zuschauer hat, dass er „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ sendet, wie ein Berliner Medienkenner sagt. Moderator Peter Brinkmann war lange Jahre Reporter bei der Bild-Zeitung, dann arbeitete er für kleine Boulevardblätter. Im hohen Alter, er ist inzwischen 75 Jahre alt, macht er den Moderator für tv.berlin. Aber wie gesagt: Da ist keiner, der zuschaut. 

Helds Webseite ist der Versuch, Bedeutung zu markieren

Der einst Allgegenwärtige hat sich in seine Berliner Traumwelt zurückgezogen. Tatkraft wendet er offenbar nur noch bei der Arbeit an seinem idealisierenden Selbstbildnis auf. An seiner Seite ablichten ließ sich zuletzt nur noch der Botschafter von Kasachtan. Es handelt sich um den Vertreter einer zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepublik mit autokratischer Regierung, hoher Korruptionsquote und einer angespannten Menschenrechtslage. Marcus Held veröffentlichte von dem Treffen einen Bericht mit Bild auf seiner Webseite, als Dokument der eigenen Wichtigkeit. Es ist wohl eher ein Versuch, Bedeutung zu markieren. Vergeblich: Auf dem Foto sieht es aus, als rücke der Botschafter Kasachstans möglichst weit weg von ihm.

Marcus im Wunderland. Unter der Rubrik „Persönliches“ schreibt er auf seiner Webseite: „2013: Wahl zum Mitglied des deutschen Bundestages“. Die Wahrheit: Marcus Held war der erste SPD-Kandidat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der den Wahlkreis Worms-Alzey-Oppenheim nicht gewann. Gewählt wurde stattdessen erstmals der Bewerber der CDU; Held rutschte nur ganz knapp über die SPD-Landesliste in den Bundestag. 2017 kann man sein Ergebnis wohl kaum als „Wiederwahl“ bezeichnen, wie er das tut: Er wurde im Wahlkreis erneut nicht gewählt; direkt gewählter Abgeordneter ist Jan Metzler (CDU).

Aktuelle Aktivitäten dokumentiert Held auf seiner Internetseite selbstverständlich auch. Er spricht sich dafür aus, coronabedingte Einschränkungen zu lockern. Er fordert die Bundesregierung auf, „den schwedischen Weg“ zu beschreiten. Zur Wahrheit würde gehören: In Schweden starben inzwischen 28,8 Menschen pro 100.000 Einwohner mit Coronainfektion, in Deutschland nur 8,77 (Stand: 14.5.20). Der schwedische Sonderweg führt mit minus 6,1 Prozent in die wirtschaftliche Rezession (Deutschland: minus 3,1) und zu 9,7 Prozent Arbeitslosigkeit (Deutschland 5,8). Solche Fakten unterschlägt der Bundestagsabgeordnete. 

Die Internetseite von Marcus im Wunderland ist eine virtuelle Konstruktion, eine Scheinwelt. Längst wissen wir: Das Internet bietet neben vielem, was wahr, hilfreich, sachlich und nützlich ist, auch ein Konglomerat von Werbung, Fake, Schönfärberei und Wunschvorstellungen. Helds Internetseite ist einzuordnen unter jenen Seiten, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen: Fakten interessieren nicht.

Mit 44 Jahren hat er Anspruch auf eine üppige Altersversorgung

Natürlich könnte uns all das, was ein Marcus Held in seinem Wunderland von sich gibt, egal sein. Doch sein Internetauftritt ist in besonderer Weise bemerkenswert: Denn Marcus Held ist immer noch Volksvertreter. Er repräsentiert das Volk, den Souverän in unserem Staat, im Deutschen Bundestag, im Parlament, der Legislative unseres Staates. Nur nebenbei: Dafür bekommt er Monat für Monat ein üppiges Entgelt, das durch die Steuern der Bürger finanziert wird.

Dass Marcus Held sich der Realität verweigert, sich hinter der Wagenburg seiner gestörten Wahrnehmung eine Welt des schönen Scheins konstruiert hat und so tut, als sei er ein MdB wie alle anderen, wird ihm großzügig gestattet. Das Mainzer Landgericht brütet seit gefühlten Ewigkeiten über die Zulassung der Anklage, die vor nunmehr neun Monaten schon von der Staatsanwaltschaft eingereicht wurde. Zuletzt hieß es aus dem Gericht, Mitte des Jahres sei eine Entscheidung beabsichtigt. Abwarten, was daraus wird.

Helds Partei, die SPD, und die Bundestagsfraktion gestatten ihm, so aufzutreten, als sei nichts geschehen: Sie lassen zu, dass er sich selbst im Internet beweihräuchert, auf Kosten de Steuerzahler.

Die Presse, die sich selbst gerne die Rolle des Wächters über Demokratie, Recht und Freiheit zuschreibt, hat Held früher hofiert, dann lange die Unschuldsvermutung beschworen. Auch heute noch sieht sie seinem Treiben im Internet weitgehend unkritisch zu.

Wir selbst müssen uns allerdings auch der Kritik stellen. Denn wir Bürger sind mitverantwortlich, weil wir nicht aufbegehren. Weil wir nicht, wie Anfang 2018, auf die Straße gehen. Weil wir das opportunistische Agieren der vorgeblichen Volkspartei SPD stillschweigend akzeptieren. Weil wir es unterlassen, Marcus Held klar zu machen, dass wir nicht von ihm vertreten sein wollen.

Die Folge: Wir werden den Mann und sein selbstgefälliges Auftreten wohl noch bis zum Ende der Legislaturperiode ertragen müssen. Natürlich wird er dann in seiner Partei keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen. Aber was soll’s: Nach zwei Legislaturperioden als Bundestagsabgeordneter wird er ganz relaxed in den Ruhestand wechseln können. Er hat dann, obwohl erst 44, Anspruch auf eine üppige Altersversorgung erworben.

Schluss mit lustig

Marcus Held
So sah es auf der Webseite von Marcus Held bis vor kurzem aus: Detailliert listete er seine früheren Aktivitäten auf.
So sieht es heute auf der Webseite aus: Da ist nichts mehr zu finden, was Marcus Held Spass macht.

Ein Mann räumt auf: Marcus Held hat seine Webseite um „Aktivitäten“ (mit 15 Unterseiten und mehr als 200 Fotos) erweitert, zugleich hat er die Rubrik “Persönliches” deutlich gekürzt: Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es dort das Kapitel „Und was mir sonst noch Spaß macht“: Darunter hatte er seine diversen lokalen Aktivitäten aufgelistet („SPD-Ortsvereinsvorsitzender, Vorsitzender des SPD-Verbandes Rhein-Selz, Mitglied 1.FCK und Wormatia Worms, Vorsitzender der Tafel Oppenheim e.V.“) und auch eine Auswahl seiner vielen Vereinsmitgliedschaften zum Besten gegeben (“AWO, VdK, NABU, DLRG, Angelsportverein, Carnevalverein, Fussballsportverein, Turnverein, Hundesportverein, Kanuclub, Geflügelzuchtverein, Ehrenmitglied im FSV Oppenheim“). Jetzt ist Schluss mit lustig, der Spaß ist vorbei: Geblieben ist von all diesen Aktivitäten auf seiner Webseite: nichts.  

11 Gedanken zu „Marcus im Wunderland

  1. Philipp Johannes Antworten

    Zeitlebens habe ich redlich und ehrlich gearbeitet, meine Steuern gezahlt, muß sie nun als Rentner weiterhin zahlen und soll nun solch einen Hasardeur mit üppigem Salär bis zu seinem biologischen Ende unterstützen, weil die SPD nicht willens und in der Lage ist, einen Ausschluss zu erwirken ?
    Schändlich und infam doch genug was er meiner Geburtsstadt Oppenheim über viele Jahre antat, nun das I-Tüpfelchen obendrauf als quasi Geschenk und Belohnung ?
    Ausgesprochen schade, dass sich die allgemeine Politkverdrossenheit augenscheinlich wieder mal bewahrheitet.
    Oppenheim wird es ohne Herrn H. weitaus besser gehen, und das finde ich ausgesprochen gut.
    Natürlich wird der Steuersäckel die lebenslange Pension für Herrn H. verkraften, ungerecht ist es und ein Schlag in all die Gesichter all der vielen vielen ehrlichen Zahler, und das sollte sich die SPD in ihr Parteibuch schreiben, mit dicker fetter roter Tinte.

  2. Stefan Buch Antworten

    Eigentlich finde ich Nachtreten unfair! Aber kann man dem Herrn Bundestags-Abgeordneten nicht über abgeordnetenwatch.de an die Wäsche? Zwar heißt es für mich prinzipiell: “Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg’ auch keinem andern zu!”, frei nach Martin Luther! Aber man muss ja nicht jede Ungerechtigkeit ertragen!

  3. Achim Schmitt Antworten

    Als die Grünen gegenüber dem Tübinger OB Boris Palmer klar Stellung bezogen haben, dachte ich: Na geht doch. Da sollte sich die SPD mal ein Beispiel nehmen. Wer sich so verhält wie die “Parteifreunde” von Herrn Held verspielt Vertrauen.

  4. Ralf Meyer Antworten

    Ich muss leider sagen, das das Verhalten vom Marcus Held nach dem Skandal in keinster Weise zur Aufklärung beiträgt.
    Das Verhalten der SPD ist auch nicht dazu geeignet Vertrauen in die Politik zurück zu gewinnen.

    Genau so etwas ist die Saat, die zur Politikverdrossenheit führt!

    Den Herrn Held kann (hoffentlich) keiner mehr wählen. Ich frage mich, ob man die SPD noch wählen kann? Alternativen?

  5. Josef Völker Antworten

    Sehr geehrter Herr Held,
    da habe ich einen Vorschlag: kommen Sie doch mal wieder in Ihren Wahlkreis, die Menschen die Sie einmal gewählt haben werden Sie “herzlichst” begrüßen. Die neben Ihnen von Ihrem Tun profitiert haben und die die Sie immer noch vertreten, aber Sie nicht mehr wählen werden.
    Wissen Sie eigentlich noch dass Sie mit Schimpf und Schande aus Oppenheim vertrieben wurden?
    Fragen Sie doch mal nach, ob Sie im Wahlkreis noch einmal die SPD vertreten dürfen!
    Helden hatte Oppenheim genug, aber ein M. Held reicht!!!!!!
    Ich schreibe aus der freien Stadt Oppenheim.

  6. Hans Bürkle Antworten

    vielleicht macht es Sinn, einen WIKIPEDIA-Eintrag über ihn zu verfassen?

    • Giulia Felsgraf Antworten

      Einen Wikipedia-Artikel über Marcus Held gibt es schon längst!

  7. Stefan Herzog Antworten

    Ich werfe mal einen Blick in die Glaskugel: Mitte des Jahres wird das Gerichtsverfahren eröffnet. Berede Anwälte und vergessliche Zeugen werden das Bild eines unermüdlich für das Wohl Oppenheims wirkenden Bürgermeister zeichnen, der in der Fülle der Verantwortung und dem aufzehrenden Tagesgeschäft nicht immer den formal richtigen Weg gehen konnte. Das sei nicht richtig gewesen, aber verständlich, zumal sein Wirken ja ehrenamtlich war. Da er sich in der gerichtlichen Aufarbeitung kooperativ gezeigt hat, wird er allenfalls drei, vier Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe für einen guten Zweck erhalten. Dann kann er ruhig von seiner Abgeordnetenrente leben oder sich neuen Aufgaben zum Wohl der Allgemeinheit zuwenden. Wie gerne würde ich mich täuschen.

    • Andreas L Antworten

      Lieber Stefan Herzog,

      auch ich würde nur zu gern Ihre vermutete (realistische) Annahme ins Reich der Märchen verweisen… allein, es könnte sehr wohl so kommen. Mein – immerhin beantworteter – Brief an die “Landesmutter” Malu Deyer gab mir keine Hoffnung, dass die Landes-SPD politisch und durchaus intern auf den Herrn H. einwirken könnte, sein Bundestags-Mandat an einen etwas integreren – gewählten – SPD-Politiker weiterzugeben. (böse Zungen könnten behaupten, solche Herrschaften sind im Dunstkreis der SPD gar nicht mehr aufzutreiben… aber wie gesagt: böse Zungen).

      In diesem Sinne hoffe ich auf bessere Zeiten für Oppenheim (dank Engagement und Integrität von Walter Jertz schon eingeleitet)

      Andreas Löffelholz

      • Frieder Zimmermann Antworten

        Es ist erfreulich, wenn die Ministerpräsidentin Ihnen antwortet oder antworten lässt. Im konkreten Fall sollten sich allerdings der SPD-Landesvorsitzende Lewentz und/oder der SPD-Generalsekretär Stich äußern. Ich habe von den Herren noch nie eine Antwort bekommen. Von wegen nah bei de Leut!

        Und natürlich dürfen wir auf bessere Zeiten für Oppenheim hoffen und uns darüber freuen. Aber wenn Stefan Herzog Recht hat, und ich bin fest davon überzeugt, dass er Recht hat, dann ist doch zu befürchten, dass die Causa Held sich nicht nur wie ein Krebsgeschwür in der Politik eingenistet hat, sondern auch das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat weiter untergräbt. Das Vertrauen in die Politik (Legislative und Exekutive) ist bei vielen Bürgern bereits beschädigt, erschüttert oder gar verloren gegangen. Wenn man dann auch noch der dritten Gewalt (Judikative) nicht mehr traut, wackeln die Fundamente unseres Staates. Vom Vertrauen in die Presse, die sich gerne als vierte Gewallt sieht, wollen wir gar nicht reden.

        Zum Rechtsstaat: Wenn schon ein schwerwiegender Fall wie die Katastrophe bei der Loveparade von Duisburg juristisch nicht abschließend aufgearbeitet wird, wenn Gangster aus der Haft entlassen werden müssen, weil die Gerichte nicht in die Puschen kommen und wenn ein Politiker seine Machtposition missbraucht, sich und andere bereichert, Vorteile nimmt und gibt, gegen das Parteiengesetz verstößt und die Gemeindeordnung mehrfach grob missachtet, ohne dafür verurteilt und angemessen bestraft wird, dann muss man sich um die Grundfesten unseres Rechtsstaats ernsthaft Sorgen machen.

        Wenn Held nicht strafrechtlich belangt wird, sieht es auch für die zivilrechtliche Klage (Schadensersatz) schlecht aus. Nicht erfreulich für Oppenheim!

        • Andreas Löffelholz Antworten

          Ja, ja lieber Frieder Zimmermann, Sie haben komplett recht – es kann einem grausig übel dabei werden, quasi tatenlos zuschauen zu müssen, wie der saubere Herr H. offenbar ungeschoren vom Acker zu kommen scheint !

          Eine Petitesse habe ich noch zur allseits unter Beweis gestellter Raffgier des Herrn H. beizusteuern: Als ich eines schönes Morgens in MZ, Augustinergasse, damals die ‘Landskronen-Ausgabe’ der AZ kaufen wollte, meinte die Kioskbesitzerin nur, dass ich diese hier nicht bekomme könne… jedoch in ihrem Kiosk im Kaufland/Oppenheim sehr wohl. Des Weiteren wollte sie wissen, warum mich gerade die Oppenheimer Lokalausgabe interessieren würde. Na, sagte ich zu ihr, ich würde doch zu gerne wissen, wie es mit dem “Deal” im damals noch Industriegebiet des Herrn Stadtbürgermeister und der Rheinlandpfälzischen Diakonie ausgegangen ist und weitere Enthüllungen ich gespannt sei… Zu meiner großen Überraschung steuerte die Dame (aus Oppenheim kommend) folgendes bei, dass ihr Sohn als Schülerpraktikant zu dieser Zeit beim Bauhof Oppenheim arbeitete. So erfuhr ich aus quasi erster Hand, dass Bauhof-Mitarbeiter inkl. des Praktikanten auch dazu eingesetzt wurden, im frisch erworbenen Anwesen des Herrn H. den Müll aus dem Gebäude zu schleppen.

          Was immer wieder faszinierend, aber natürlich auch erschreckend und empörend ist, mit welcher Selbstverständlichkeit König Marcus sich all der Möglichkeiten eines Stadtchefs (illegal) bediente und niemand muckte auf – und alles am extremen Rande der Legalität.

          Aus diesem Grunde ist Herr H. für mich maximal ein Winkeladvokat, jedenfalls kein Jurist im Sinne des GG und schon gar nicht im Sinne seiner Ausbildung.

          In diesem Sinne, versuchen wir positiv zu bleiben und lassen uns durch die dritte Gewalt überraschen! 😉

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