Wegen Corona: Oppenheimer Tiergarten in großer Not!

Spektakuläre Bauten wie die Katharinenkirche, das Rathaus oder die Schlossruine Landskron, verborgene Schätze wie das Labyrinth der unterirdischen Gänge oder der jüdische Friedhof,  kulturelle Highlights wie das Deutsche Weinbaumuseum oder die Theatertage – alles Magneten für Besucher der Stadt Oppenheim. Dazu die pittoreske Altstadt mit ihren engen Gassen und dem malerischen Marktplatz sowie die traumhafte Lage der Stadt zwischen Rhein und rebenbewachsenen Hängen mit den weltbekannten Weinlagen und das Erholungsgebiet Wäldchen: All das macht Oppenheim zu einem besonderen Platz.

Ganz besonders sind aber auch zwei Oppenheimer Einrichtungen, die nicht in den Reiseführern und den Travelguides stehen. Das sind der naturnahe Spielplatz “Paradies” und der Oppenheimer Tiergarten.

Das Paradies ist seit vielen Jahren die Realisierung der Idee, in einem abgegrenzten Raum die Verbindung von Natur und kindlichem Spiel herzustellen, Kinder auf spielerische Weise mit der heimischen Fauna und vor allem Flora vertraut zu machen und sie die Verletzlichkeit und die Schutzwürdigkeit natürlicher Lebensräume lernen zu lassen. Dazu unterhalten Stadt und Förderverein eine ehemalige, längst verwilderte Gartenfläche, die nach landespflegerischen und naturpädagogischen Vorgaben gestaltet wurde und mit viel ehrenamtlichem Aufwand gepflegt wird. Kinder finden hier vielfältige Spielräume, natürliche Materialien, Anregungen zum kreativen Gestalten, Zugang zum Schutz und zur Förderung der Tier- und Pflanzenwelt. Nicht zuletzt ist das Paradies eine grüne Idylle am Stadtrand, die für viele Spaziergänger Teil ihrer Wegstrecke ist und die das städtische Kleinklima positiv beeinflusst. (Mehr Infos hier)

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Der Oppenheimer Tiergarten ist kein Zoo, kein Tierpark. Hier gibt es weder Raubkatzen noch Elefanten noch Affen. Die Tiere, die hier ein Zuhause gefunden haben, sind keine Exoten, von Emu Felix einmal abgesehen. Die Freiflächen und kleinen Stallungen werden bevölkert von insgesamt 73 Tieren, von Pferden, Ponys, Ziegen, Hühnern, Enten, Gänsen und verschiedenen Nagetieren. Ein mächtiges Angusrind ruht meist Buddha gleich auf der von allerlei Kleintier belebten Wiese.

Viele von ihnen haben als Nutztiere ausgedient und erhalten hier ihr Gnadenbrot. Sie wären sonst beim Abdecker und in der Tierkörperbeseitigungsanlage gelandet. Der Tiergarten ist auch Pflanzengarten mit liebevoll angelegten und gepflegten Beeten und Blühflächen, auch Gemeinschafts- und Erholungsgarten mit Spielwiese und Tummelplatz. Hier werden Naturpflege mit Tierwohl aber auch mit sozialer Integration verbunden, indem  Menschen mit Einschränkungen mit Tieren vertraut gemacht werden und insbesondere den Umgang mit Pferden erlernen. Darüber hinaus werden in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit  Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beschäftigt und damit an geregelte Beschäftigung heran geführt.

Tiergarten: Arbeitsagentur stoppte Integrationsprojekt

Exot im Oppenheimer Tiergarten: Emu Felix.

All diese Funktionen des Tiergartens müssen derzeit ruhen, da in Zeiten von coronabedingten Kontakteinschränkungen die Tore derzeit verschlossen bleiben. Solange müssen alle, die immer gerne zu den verschiedenen Veranstaltungen der Betreiber und des Trägervereins kamen, sich auf den Blick durch den Maschendrahtzaun beschränken.

Doch nicht nur für Besucher gibt es derzeit keinen Zugang. Auffällig wenig Personal ist auf dem Areal unterwegs, das einmal Versuchs- und Ausbildungsfläche der ehemaligen Landes- Lehr und Versuchsanstalt Gartenbau war. Grund dafür ist der Abzug von zwölf Teilnehmern eines Integrationsprojekt der Agentur für Arbeit, in dessen Rahmen schwervermittelbare Arbeitslose an den Arbeitsmarkt und an regelmäßige Beschäftigung herangeführt werden.

Schwerer als das Fehlen der Arbeitskräfte bei der Pflege von Tieren, Gelände und Einrichtungen wiegt der Ausfall der bislang vom Jobcenter gezahlten Pro-Kopf-Pauschale, der eine beträchtliche Lücke in den Haushalt des Tiergartens reißt. Dieser Haushalt hat derzeit ohnehin vor allem eine Ausgabenseite, weil Einnahmen aus Kindergeburtstagen, Hundespielstunden, Ponyreiten und sonstigen Veranstaltungen gänzlich fehlen. Der integrative Reitbetrieb, bei dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung der vertrauensvolle Umgang mit Pferden ermöglicht wird, ruht.

Kosten fallen dagegen weitgehend ungemindert an. Die Tiere brauchen Futter, tierärztliche Maßnahmen, und die laufenden Fixkosten fallen unbeeindruckt von der Ausnahmesituation weiter an. Bei einem erforderlichen Aufenthalt in der Tierklinik hilft keine Krankenversicherung. Ob der Oppenheimer Tiergarten Hilfe aus einem staatlichen Förderprogramm erhalten kann, ist noch ungewiss. Je länger die Krise dauert, um so bedrohlicher dürfte die Situation für das Projekt werden.

Frühlingserwachen im Oppenheimer Tiergarten. Die hier gezeigten Fotos stammen von der Webseite des Oppenheimer Tiergartens.

In dieser Phase braucht der Oppenheimer Tiergarten, der den Menschen seit vielen Jahren Freude macht, solidarische Unterstützung. Jeder, der in der Vergangenheit alleine, zu zweit, mit Kindern oder Enkeln den Tiergarten besuchte, daran vorbei spazierte, den Tieren zuschaute und an Kaninchen, Meerschweinchen, Blumen und Sträuchern Wohlgefallen hatte, kann jetzt etwas zurück geben. Er kann einen Beitrag dafür leisten, dass das Kleinod Oppenheimer Tiergarten die aktuell schwierige Lage übersteht und auch in Zukunft seine Funktion im städtischen Gefüge erfüllen kann.

Sach- und Geldspenden werden dringend benötigt

Der Hilferuf auf der Startseite von www.tiergarten-oppenheim.com sollte nicht ungehört bleiben. Hilfreich sind derzeit Futterspenden der Oppenheimer Supermärkte, die nicht mehr verkaufsfähiges Gemüse, Obst und Salat zur Verfügung stellen. Trotzdem werden ganz dringend Geld- und Sachspenden benötigt. Jeder kleine Betrag ist wichtig und willkommen. Die Spenden werden ausschließlich für die Tiere verwendet.

Spenden an: Lernen Fördern TG RLP, IBAN: DE05 5465 1240 1000 5196 27, Sparkasse Rhein-Haardt. Oder per Paypal an tiergarten@lernen-foerdern-rlp.de

Gerne wird auf Wunsch eine Spendenquittung ausgestellt. (Adresse bitte in den Verwendungszweck angeben). Groß ist der Bedarf an Sachspenden. Dazu gehört geeignetes Futter, Stroh und Heu, aber auch Baumaterialien. Wer Bauholz, Balken, Bretter, Bleche und dergleichen abzugeben hat, sollte sich mit der Leitung des Tiergartens Oppenheim in Verbindung setzen. Möglich ist die Übernahme einer Tierpatenschaft. Auch dazu gibt die Leitung gerne Auskunft. Ansprechpartner sind Anke Runge und Daniel Paloc.

Die Kontaktdaten: Tiergarten Oppenheim, Außerhalb 69, 55276 Oppenheim, Tel. 06133 491172, Mobil  0157 8080 2963, E-Mail tiergarten@lernen-foerdern-rlp.de

Weitere Infos sind auf der Internetseite zu finden: www.tiergarten-oppenheim.com

6 Gedanken zu „Wegen Corona: Oppenheimer Tiergarten in großer Not!

  1. Petra Katharina N.P. Antworten

    Hab leider auch keine Sachspenden, deswegen eine Geldspende 🍀🌹

  2. Giunnar Koll Antworten

    Ich kann ca 14 Großpacken Stroh (etwa 240*80*80 cm) zur Verfügung stellen.
    Eventuell auch die gleiche Menge Heu (zweiter Schnitt). Das Heu wäre eher was für Ziegen und Schafe, weniger für Pferde geeignet.

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