VG Rhein-Selz: Schlammschlacht oder Schmierenkomödie?

Der rheinhessischen Weinbau, die Winzerbetriebe und in der Folge auch die Steuern zahlenden Bürger sind derzeit mit einem richtigen Problem konfrontiert. Der Grund: Wenn Starkregen das Erdreich von den Weinbergen spült, wurde der Schlamm – bisher – in Gräben und Becken gesammelt und zurück auf die Weinberge gekarrt. Doch dann ergaben Messungen: Der Schlamm ist belastet – mit Kupfer, das Ökowinzer zur Bekämpfung von Schädlingen verwenden. Der Schlamm müsste jetzt als Sondermüll entsorgt werden, und das kann Millionen kosten. Wer kommt dafür auf? Die Verbandsgemeinde weigert sich, die Politik palavert, viele rheinhessische Winzer befürchten wegen der Debatte um Schadstoffe und Verseuchung einen gewaltigen Imageschaden. Was tun?

Dass gut gemeint in der Politik meist das Gegenteil von gut ist, beweist sich leider immer wieder in der Umweltpolitik, wenn es zur Kollision von Maßnahmen kommt, die ihrerseits jeweils eine ökologische Schutzfunktion verfolgen, beim Zusammentreffen aber bizarre Situationen auslösen.

Dergleichen passiert gerade in Rheinhessen, genauer gesagt im Weinparadies Rheinhessen. Hier treffen gerade die Auswirkungen von zwei unterschiedlichen Umweltschutzmaßnahmen aufeinander. Und sie bescheren den Betroffenen, die zwar nicht die Verursacher, aber für den Problembereich und die Problemlösung zuständig sind, ein echtes Dilemma.

Die Umweltschutzmaßnahmen sind zum einen der ökologische Weinbau, zum anderen die Bundesbodenschutzverordnung.

Die Betroffenen und mit der Problemlösung Betrauten sind die Kommunen.

Ökologischer Weinbau kollidiert mit Bundesbodenschutzgesetz

Der ökologische Weinbau verzichtet weitestgehend auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel, also Herbizide, Fungizide, Pestizide. Er verfolgt damit eine Anbau- und Produktionsmethode, die die Natur schont und die Vereinbarkeit von Kulturlandschaft mit der Artenvielfalt (Biodiversität) und der Ursprünglichkeit der Lebensräume von heimischer Fauna und Flora herstellt und bewahrt.

Soweit so gut.

Das Bundesbodenschutzgesetz und darauf gründende Verordnungen sollen nachhaltig die Funktion des Bodens sichern, bzw. wiederherstellen und „schädliche Bodenveränderungen“ abwehren. Als wichtigste Funktion des Bodens gilt die des Lebensraums und der Lebensgrundlage. Als schädliche Bodenveränderungen gelten etwa das Einbringen von Schadstoffen in den Boden, aber auch Altlasten, die in einer Novellierung 2015 noch einmal explizit als bodenschädlich hervorgehoben werden.

Soweit so gut auch das.

Der Schlamm von den Weinbergen: Sondermüll?

Zur Kollision der beiden ökologischen Schutzmaßnahmen kommt es jetzt aber beispielsweise in der rheinhessischen Verbandsgemeinde Rhein-Selz. Hier schwelt seit gut einem Jahr ein Konflikt um Ablagerungen in Vorflutern und Regenrückhaltebecken, um deren Zusammensetzung (Schadstoffgehalt) und Entsorgung.

Die Becken wurden in den Gemeinden am Fuß der Rheinterrassen in den 1970er Jahren im Rahmen von Flurbereinigungsmaßnahmen angelegt. Sie verhindern seitdem erfolgreich, dass bei Gewittern und Wolkenbrüchen die Ortsstraßen und mit ihnen Häuser und Keller überflutet werden.

In der Vergangenheit wurde Schlamm, der bei solchen Starkregenereignissen von abfließendem Wasser aus den Hängen ausgespült wurde und sich in diesen Schutzbecken ablagerte, immer wieder dorthin zurück gebracht, wo er hergekommen war: also in die Weinberge. Dort konnte mit diesem Erdreich auch der Bodenerosion entgegengewirkt werden.

“Bordeauxbrühe” kann Regenwürmer schädigen

Zurück zum ökologischen Weinbau. Der Verzicht auf den Einsatz chemischer Keulen zwingt die Öko- und Biowinzer beim Pflanzenschutz zu Alternativen. Denn natürlich machen etwa Pflanzenkrankheiten keinen Bogen um einen Ökoweinberg. Die Reben hier sind genauso empfänglich und genauso gefährdet wie die im konventionellen Nachbarwingert. Hier wie dort muss gegen Falschen Mehltau (Peronospora) Vorsorge getroffen werden, sonst gibt es schlimmstenfalls keinen Ertrag.

Der Ökowinzer setzt da, sofern er keine pilzwiderstandsfähigen Rebsorten anbaut, die sogenannte „Bordeauxbrühe“ ein. Dabei wird eine kupferhaltige Lösung auf die Rebzeilen gespritzt, was eine Infektion mit Pilzsporen verhindert. Ein Nachteil besteht darin, dass Kupfer auf den Blättern schlecht haftet und nach Regen immer wieder nachgespritzt werden muss.

Ein weiterer, schwerer wiegender Nachteil ist, dass Kupfer ein Schwermetall ist, das für Mikrororganismen bereits in geringer Konzentration toxisch ist. Laut Umweltbundesamt “ist Kupfer grundsätzlich kritisch zu betrachten, da hohe Konzentrationen des Schwermetalls in der Erde zahlreiche Bodenorganismen schädigen können, darunter auch Regenwurmarten“.

Regenwürmer gelten als die Bienen des Bodens. Schnecken, wie die in Rheinhessen verbreitete Weinbergsschnecke, mögen Kupfer gar nicht, weil es bei Kontakt mit Schneckenschleim oxidiert und die empfindliche Haut der Weichtiere reizt. Im Boden baut sich Kupfer nicht ab. Das bedeutet die Kupferkonzentration erhöht sich dort, wo ökologischer Weinbau betrieben wird, stetig.

Entsorgung des Schlamms kann zum Millionen-Problem werden

Damit kommen wir wieder zum Boden. Das Problem ist also, dass Kupfer sich im Erdreich Jahr für Jahr anreichert. Natürlich auch in dem Erdreich, das bei Starkregen aus den Hängen ausgeschwemmt wird, talwärts mäandert und sich in Vorflutern und Regenrückhaltebecken ablagert.

Damit ist es aber auch im Zuständigkeitsbereich des Bundesbodenschutzes angekommen – und der Konflikt ist da. Das abgelagerte Erdreich ist jetzt kein Schlamm, den man einfach so wieder wie früher an seinen Herkunftsort zurück bringen könnte. Dieser Schlamm hat eine „schädliche Bodenveränderung“ erfahren. Er beinhaltet Kupfer und gilt damit als kontaminiert, gar als „verseucht“, wie die AZ-Landskrone titelt (4.12.18).

Der Schlamm im Flutfang ist jetzt eine Altlast. Er muss aus den Becken heraus, schon um deren Schutzfunktion gegen Überschwemmungen wieder zu gewährleisten. Aber er muss dabei wie Sondermüll behandelt werden, was Kosten in beträchtlichem Umfang erzeugt. Damit konfrontiert ist im konkreten Fall die Verbandsgemeinde Rhein-Selz, die sich und ihre steuerzahlenden Bürger jetzt von Ausgaben bedroht sieht, die schnell in die Millionen gehen können.

Die Diskussion um dieses Problem wabert seit gut einem Jahr vor allem durch die Weinbaugemeinden am Fuß der Hänge im Rheintal. Naheliegend, dass gleich zu Anfang das Verursacherprinzip betont wurde. Der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende im VG-Rat Michael Reitzel soll laut darüber nachgedacht haben, die Winzer und die Hersteller (der biologischen Pflanzenschutzmittel) an den Kosten zu beteiligen.

Wie aber will man differenzieren zwischen Winzern, die viel, wenig oder gar kein Kupfer im Weinberg einsetzen? Wie er an die Hersteller heran kommen wollte, müsste Herr Reitzel noch erklären.

Seine Überlegungen wurden allerdings durch die kategorische Absage des Umweltministerium des Landes (Verursacher nicht zu ermitteln!) bereits einkassiert

Was tun?

Vorgehen von Politik und Verwaltung mutet hilflos an 

Bauernschlau war der Vorschlag, dem kontaminierten Schlamm solange “sauberen” Schlamm beizufügen, bis die Kupferkonzentration wieder unter 28 mg/kg liegt: Dann gilt der Schlamm nicht mehr als schädlich verändert.

Von gleicher Qualität war die Idee, die belastete Erde anderswo, z.B. bei der Flubereinigung, einzusetzen.

Neu, aber nicht besonders originell ist die Forderung der VG-SPD, die Winzer zu verpflichten, ihre Rebflächen in Hanglagen an den Rändern zu begrünen. „So könne verseuchter Schlamm schon beim Entstehen reduziert oder verhindert werden“, schreibt die AZ-Landskrone und meint das offenbar ernst, als könne ein Grünstreifen den Schwermetalleintrag in Böden reduzieren oder verhindern.

Wenig zielführend war auch der zu hörende Rat, die kupferdurchsetzte Erde nach Starkregen rasch wieder in die Wingert zu schaffen, bevor sie im Regenrückhaltebecken landet. Das hieße, im Regenrückhaltebecken angekommen ist sie Sondermüll, wird sie vorher abgefangen, ist sie unbedenklich?

Der Nachfolger von Michael Reitzel als Vorsitzender der SPD-Fraktion ist Anton Miesen, und der holt das Verursacherprinzip, dem das Land längst eine Absage erteilt hat, wieder aus der Mottenkiste. Miesen steigert dazu noch den Grad der allgemeinen Verwirrung, indem er laut AZ von „Klärschlammbeseitigung“ redet, deren Beseitigungskosten nicht der Allgemeinheit zuzumuten sei, weil sie ja „durch das Verhalten einiger Weniger entstanden sind“.

Hilflos mutet der bisherige Umgang von Politik und Verwaltung mit dem Problem schadstoffbelasteter Erde in den Regenrückhaltebecken an. Im Sommer dieses Jahres soll eine Runde aus Winzern, Politikern und Umweltexperten(!) getagt und eine Agenda entwickelt haben: 1. Weniger Schadstoffschlamm entstehen lassen. 2. Schadstoffschlamm zum Teil bearbeiten oder sinnvoll einsetzen. 3. Die Entsorgungsmenge so klein wie möglich halten.

Umweltschutz kostet nun mal Geld

Man glaubt sich in einer Komödie wiederzufinden: Der fröhliche Weinberg. Weil der ökologische Weinbau expandiert, wird der Kupfereinsatz zunehmen und mehr „Schadstoffschlamm“ entstehen. Ob bearbeitet oder „sinnvoll“ eingesetzt bleibt „Schadstoffschlamm“ das, was das Gesetz eine „schädliche Bodenveränderung“ nennt. Und die Entsorgungsmenge klein halten soll ja heißen, die Entsorgungskosten gering halten. Das ist ein Wunsch, den man ans Christkind oder an die Zahnfee richten kann.

Alles, was diese Problematik auslöste und eskalieren ließ, war gut gemeint: Im Weinbau die Umwelt schonen. Im Allgemeinen schädliche Bodenveränderungen verhindern oder wiedergutmachen.

Zusammen bedeutet das besseren Umweltschutz. Der ist politisch gewollt, und dieser Wille wird von der großen Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen.

Dann aber ist es ein Gebot der Ehrlichkeit zu sagen, dass Umweltschutz Geld kostet, und weil er der Allgemeinheit nützt, die Kosten von der Allgemeinheit immer dann getragen werden müssen, wenn Umweltbelastungen verhindert, reduziert oder beseitigt werden müssen, ein Verursacher aber nicht zu ermitteln ist.

Genau das ist die Realität in der VG Rhein-Selz bzw. in deren Vorflutern und Regenrückhaltebecken. Und dieser Realität müssen sich Politik und Verwaltung jetzt stellen, auch wenn in einem halben Jahr Kommunalwahlen sind.

7 Gedanken zu „VG Rhein-Selz: Schlammschlacht oder Schmierenkomödie?

  1. Frieder Zimmermann Antworten

    Nach den Grünen mit einem sinnfreien Beitrag äußert sich jetzt für die FWG der Niersteiner Winzer Jochen Schmitt zu der Problematik. Auf die Landesregierung müsse “man Druck ausüben.” Die Landesregierung müsse ermöglichen, “dass die Winzer die Schlämme – wie früher üblich – wieder auf ihren Flächen verteilen können.” Dabei kann das Land ein Bundesgesetz weder brechen noch ändern. Damit ist leider auch der aktuelle FWG-Beitrag kein Beitrag zur Lösung des Problems.

  2. Frieder Zimmermann Antworten

    Zu der Thematik äußert sich aktuell der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Rhein-Selz Helmut Schmitt (SPD) mit einer Presseerklärung. Der Erste Beigeordnet ist laut Organigramm der VG, das die Aufgabenverteilung abbildet, zuständig für den Ausbau und die Unterhaltung der Gewässer 3. Ordnung. Dazu gehören Entwässerungsgräben, Vorfluter und Regenrückhaltebecken. Das regelt das Landeswassergesetz §35.

    Dazu äußert sich der Erste Beigeordnete Schmitt in seiner Presseerklärung aber zunächst nicht, obwohl die Funktionsfähigkeit dieser Einrichtungen substanziell ist für den Hochwasserschutz bei Starkregenereignissen. Statt dessen geht er auf die Forderung des SPD-Fraktionsvorsitzenden im VG-Rat Anton Miesen ein, die Winzer zur Begrünung ihrer Weinberge zu verpflichten und sie an den Kosten der Entsorgung kontaminierter Schlämme zu beteiligen. Dabei müsste er wissen, dass weder das eine noch das andere die Funktionsfähigkeit von Gräben und Becken wiederherstellt.

    Der Eintrag von Schadstoffen ins Erdreich hat auch mit dem Landeswassergesetz und dem Aufgabenbereich des Ersten VG-Beigeordneten gar nichts zu tun. Das fällt in den Geltungsbereich des Bundes-Bodenschutzgesetzes, das nachteilige Einwirkungen auf den Boden, etwa durch den Eintrag von Schadstoffen, verhindern bzw. reparieren soll. Das BBodSchG unterscheidet nicht zwischen Boden im Wingert, auf Wirtschaftswege ausgeschwemmten Boden oder in Regenrückhaltebecken abgelagertem Boden. Dass der Beigeordnete, anders als sein Fraktionsvorsitzender im Rat, die Winzer nicht mit Gebühren bestrafen will, ist auch irrelevant. Die Landesregierung hat schon vor über einem Jahr festgestellt, dass das nicht geht.

    Dass Erdreich, das vom Acker oder Wingert bei Starkregen auf die Wirtschaftswege gespült wird, von den Flächenbesitzern dorthin zurückgebracht wird, steht in der Wegesatzung Das hat mit dem Erdreich in Gräben und Becken nichts zu tun und kann gerne, wie vorgeschlagen, strenger als bisher überwacht werden. Es löst aber doch das eigentliche Problem im Zuständigkeitsbereich des Ersten Beigeordneten nicht. Herr Schmitt selbst räumt ein, dass der Eintrag von Erdreich in Gräben und Becken letztlich nicht zu verhindern ist. “Letztlich sind sie dazu auch angelegt worden”, sagt er selbst. Umso weniger ist nachvollziehbar, warum seit über einem Jahr über zugeschwemmte und damit nicht funktionsfähige Regenrückhaltebecken diskutiert wird, ohne dass etwas geschieht, also ohne dass die VG an dieser Stelle ihre Aufgabe erfüllt.

    Herr Schmitt kann davon auch mit seinem Hinweis auf das “Pilotprojekt Ludwigshöhe” nicht ablenken. Die Ablagerung kontaminierten Erdreichs auf Ausgleichsflächen wurde von den Genehmigungsbehörden abgelehnt, weil damit gegen das BBodSchG verstoßen worden wäre.

    Am Ende erklärt der Erste Beigeordnete, er wolle “dranbleiben”, dabei aber die Entsorgung des Erdreichs, das Gräben und Becken verstopft, auf der Deponie vermeiden zu wollen. Das klingt dann aber doch wie eine Drohung, denn das Gesetz lässt gar keine andere Möglichkeit zu.

    Auch wenn man noch einmal ein Jahr lang diskutiert und hofft, dass es nicht zu Starkregen oder großem Schmelzwasserabfluss kommt: Verantwortungsvolles Handeln sieht anders aus.

  3. Dr. Volkhart Rudert Antworten

    Bei der Beurteilung von Schwermetallgehalten in Böden und hier von Kupfer im speziellen, ist immer zu beachten in welcher Bindungsform (mineralisch, organisch, adsorptiv etc.) das Kupfer vorliegt. Daraus und weiteren Einflussfaktoren auf die Löslichkeit und biologische Verfügbarkeit im Boden müssen in Bezug auf Toxizität die richtigen Schlüsse gezogen werden. Kupfer ist andererseits auch ein essentielles, also für das Leben notwendiges, Spurenelement dessen Fehlen bei Pflanzen, Tieren und Menschen ebenso zu degenerativen Erscheinungen führt, wie ein dauerndes Überangebot.
    Bei den in Rheinhessen vorhandenen kalkhaltigen Böden(Löss) mit eher höheren pH-Werten wäre eher eine gedämpfte Verfügbarkeit des Kupfers für Pflanzen und gleichermaßen in ihren Auswirkungen auf Bodenlebewesen zu erwarten. Eigentlich sollte man davon ausgehen können, das es dazu bereits umfangreiche spezifische Literatur von den landwirtschaftlichen Untersuchungsanstalten und Bodenkundlern der Hochschul-Wissenschaft gibt.
    Ein reiner Zahlenwert in ppm (parts per million oder g/t bzw. mg/kg) erscheint mir hier nicht sehr aussagekräftig, zumal Reben sehr tief wurzeln und demzufolge Nährstoffe wohl besonders aus tieferen Bodenschichten aufnehmen

  4. Hartmut Rencker Antworten

    In wärmeren Regionen (Kaiserstuhl) werden die Zeilen horizontal angelegt. Damit wird zwar weniger Wärme eingefangen, aber die Abschwemmerosion ist weitaus geringer. Auch die Bodenbegrünung ist ein unerwünschter Abkühlfaktor. Verbleiben also nur noch resistente Rebsorten, auch wenn deren Ertrag andere Eigenschaften hat als der von Hochzucht-Tuboreben.
    Ein Problem ist in der Tat die stetige Anreicherung von Grünkupfer seit 100 Jahren oder länger. Wie viel noch verträglich ist, will ich offen lassen. Irgendwann ist das Maß voll. Wie war es denn mit den Altlasten, als es außer Grünkupfer nichts gab? Ich erinnere mich noch sehr gut an die blaugrünen “Spritzenhäuschen” mitten in den Weinbergen. Es wurden derartige Mengen Spritzbrühe gebraucht, dass man diese gar nicht vom Dorf in die Gegend fahren mochte sondern vor Ort anrührte.
    Die Natur zu schonen, ist arbeitsintensiv und teuer. Die Giftkeule schwingen, wird erst in der Zukunft zum Problem. Die Zukunft hat bereits angefangen.

  5. Christian Berg Antworten

    Warum wird das Erdreich aus den Weinbergen gespült? Weil die Weinberge großflächig ausgeräumt wurden, weil aus wirtschaftlichen Gründen große und mashcinell bearbeitbare Weinberge geschaffen wurden, weil alle anderen Bepflanzungen beseitigt wurden. Damit gibt es keine Wurzeln mehr, die das Erdreich auch bei starken Regenereignissen festhalten. Mögliche Abhilfen:
    1. Zwischen den Rebenzeilen nicht nackter Boden, sondern Bepflanzung mit Gräsern.
    2. Zwischen die Weinbergparzellen Bepflanzung mit Wällen aus Hecken und Gehölzen.
    3. Rückgängigmachen der “Flurbereinigungen” und Rückkehr zu kleinteiligen Anbauflächen.
    Diese Maßnahmen würden zugleich neue und weniger belastete Lebensräume für Fauna und Flora schaffen. Allerdings wäre dann die maschinelle Bearbeitung (Vollernter” u.ä.) erheblich erschwert. Und das würde sich wohl massiv auf die Preise auswirken. Und der dann in den Wingert verbleibende Bodan wäre auch weiterhin mit Kupfer “belastet”.

    • Christiane Harsleben-Meinecke Antworten

      Das wären ja alles wunderbare neue Weinbergsregionen und für Fauna und Flora toll. Aber was hilft es, wenn der Boden weiterhin stark kupferbelastet ist, und keine Weinbergschnecken und Regenwürmer mehr überleben?
      Für mich heißt es ganz klar, dass auch im ökologischen Weinbau endlich umgedacht werden muss, und Kupfer nicht mehr auf die Wingerte gesprüht werden darf. Da muss es andere, natürlichere Wege geben, wie z.B. eben mit dem Anbau von bestimmten Pflanzen, zwischen den Rebstockreihen, die wiederum Insekten anlocken, die bestimmte Pilzerkrankungen verhindern können. Dann muss großflächig mit Brennnesselsud gearbeitet werden oder mit Schachtelhalm. Das verhindert unzählige Erkrankungen der Rebstöcke und ist um vieles unschädlicher als Kupfer. Ich habe auch keine Lust, zu viel Ansammlungen von Kupfer in unserem Trinkwasser vorzufinden, dass hier in Rheinhessen jetzt schon ohnehin keine besonders gute Qualität aufweist.

    • Schwarzer Peter Antworten

      Hallo Herr Berg, Ihre Annahmen sind entweder fachlich falsch, ideologisch geprägt oder einfach nur populistisch. Bis auf das politische Chaos spiegelt das ziemlich genau die Situation in der VG zu diesem Thema wieder.

      Bis in die siebziger Jahre des 19. Jahrhundert war die vorherrschende Bewirtschaftungsweise des Bodens eine komplette Offenhaltung. Der Boden wurde mehrfach im Jahr mit dem Grubber gewendet. Das lag vor allem an den fehlenden Alternativen, die Kulturbegleitkräuter zu kontrollieren.

      Erst mit dem Aufkommen der “Mulcher” konnten die Weinberge überhaupt begrünt werden. Daraus folgte dann Mitte der 80er und Anfang der 90er der gegenteilige Trend. Die Ganzflächenbegrünung. Dies führte zu nicht haltbaren Weinen mit untypischen Alterungsnoten (UTA). Was auch niemand wollte.

      Die gute fachliche Praxis im Jahr 2018 ist weit weg von nacktem Boden zwischen den Rebzeilen.
      Weiter führte die Offenhaltung des Bodens auch zu einer vermehrten Abschwemmung. Diese konnte aber in Ermangelung einer gescheiten Wasser- und Wegeführung nicht kontrolliert werden. Die Folgen waren “Überschwemmungen” in den Ortslagen.

      Um unter anderem diese zu verhindern, wurde die Flurbereinigungen gemacht. Ohne Flurbereinigung würde der abgeschwemmte Boden sich nicht in den Rückhaltebecken absetzen, sondern sich direkt auf den Weg nach Holland machen. Das Problem wäre natürlich nicht gelöst, sondern nur nach Holland verlagert. Wenn sie diese nun wieder rückabwickeln möchte, kommen Probleme auf, die wir alle nicht haben möchten.

      Wenn sie schon zwischen den Rebzeilen begrünen möchten, müssten sie im gleichen Atemzug auf eine mechanische Bearbeitung unter der Rebzeile verzichten. Damit kommt aber der Bioanbau überhaupt nicht zurecht.

      Die “Gute alte Zeit” war nicht immer so gut, wie man sie gerne sehen möchte. Die Möglichkeiten des modernen Weinbaus, Erosion zu verhindern, sind größer als die vor 40 Jahren. Und das ist gut so. Nur weil man sich gerne verklärt an Dinge von “damals” erinnert, heißt das noch lange nicht, dass es damals auch besser war.

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